Rezension

Sharks' Teeth

It Transfers & Grows


Highlights: It’s Bad For You // She Teaches Art // Warm Legs
Genre: Synthie-Pop
Sounds Like: Errors // Animal Collective // La Femme // MGMT

VÖ: 02.09.2016

Haie besitzen ja bekanntlich einen unerschöpflichen Vorrat an nachwachsenden Zähnen. Ebenso endlos scheint das kreative Potential der Band Sharks’ Teeth aus New Orleans zu sein, denn diese legen mit „It Transfers & Grows“ bereits ihre siebzehnte Veröffentlichung in nur sieben Jahren vor! Und doch ist ihr neues Album ihr erster physischer Release, und wahrlich eine musikalische Schönheit geworden.

In einem Raum „bis unter die Decke zugestellt mit Synthesizern“ wurde die Platte komplett live eingespielt. Dass „It Transfers & Grows“ so authentisch rüberkommt, liegt an dem natürlichen Umgang der MusikerInnen mit ihren elektrischen Instrumenten, denen doch eigentlich etwas anorganisch Unbelebtes anhaftet. So zeichnet sich hinter teils verträumt-flächig, teils discohaft-funky gespielten Synthie-Sounds stets die Silhouette vierer MusikerInnen ab, die ihre Musikstücke als harmonische Jams begreifen und Spaß bei der Sache haben.

Ihre Melodien wirken wie verblassende Abdrücke großer Pop-Songs. „Don’t Touch My Feet“ eröffnet das Album mit simplem Beat, um sich dann über seine atmosphärischen Schwingungen letztlich doch in psychedelischen Sphären hin zu einem kosmischen Gefühl universaler Glückseligkeit zu entwickeln. Zumindest musikalisch. „Warm Legs“ macht genau dort mit sonnenverbranntem Synthiequietschen weiter. Man weiß nicht, ob einen dieses Stück eher an Depeche Mode oder die Pet Shop Boys erinnert und dabei klingt es doch ganz anders. In „Karma Decay“ scheinen schließlich Tears For Fears aus einer fernen Zeit zu grüßen. Wer zudem einen Überhit wie „It’s Bad For You“ im Köcher hat, muss als allgemein ohrwurmverdächtig eingestuft werden. Sollte man sich jemals in einen Roboter verlieben, wäre dieser Track der geeignete Soundtrack, um die passenden Schmetterlinge in den Bauch zu zaubern.

Man sollte „It Transfers & Grows“ in seiner einfachen Zugänglichkeit akzeptieren und durch den Bauch wirken lassen. Dann entfaltet sich eine der schönsten Momentaufnahmen des Spätsommers. Langzeitfolgen sind bislang unbekannt.

Jonatan Biskamp

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