Rezension

Seabear

We Built A Fire


Highlights: Build You A Fire // Cold Summer // We Fell Of The Roof // Warm Blood
Genre: Folkpop // Indie
Sounds Like: Hjaltalín // Ohbijou // Jónsi // My Summer As A Salvation Soldier // Beirut // Sigur Rós // Sufjan Stevens // The Shins // Arcade Fire

VÖ: 26.02.2010

Isländische Musik hat immer eine ganz besondere Ausstrahlung. Egal ob Björk oder Sigur Rós, man spürt diese Aura, welche die Songs isländischer Musiker umgibt. Selbst Bands wie Seabear, die an sich recht braven Folkpop machen, schaffen es, eine Magie zu erzeugen, wie man sie bei vergleichbaren Bands nur selten wahrnimmt. Nach dem quirligen Debüt „The Ghost That Carried Us Away“ erscheint nun drei Jahre später das zweite Album des Septetts um Sindri Már Sigfússon, das einen ähnlich schlafmützigen Charme hat wie der Vorgänger, auf dem die Songs aber noch um Einiges feinfühliger in Szene gesetzt wurden.

Spätestens, wenn im Opener „Lion Face Boy“ die Bläser einsetzen, weiß man, dass die Isländer ihren Sinn für warme Melodien und gemütliche Arrangements nicht verloren haben. Der schunkelnde, an Beirut erinnernde Ausklang des Songs mit Akkordeon und Bläsern erzeugt eine angenehm melancholische Stimmung und lässt die Gedanken schweifen. In „Fire Dies Down“ bekommt eine singende Säge ihren großen Moment, bevor der Song leichtfüßig davontänzelt. „I’ll Build You Fire“ strahlt mit seinem lieblichen Chorgesang eine besondere Wärme aus und klingt mit seinen Streicherpizzicati federleicht. „Cold Summer“ übt sich mit gedämpftem Piano und verhuschten Vocals in Zurückhaltung, eröffnet den Raum mit einem ausladenden Hörnerchoral und nimmt schließlich doch noch etwas Tempo auf. Dass die Songs von Seabear so gut funktionieren und all die sanften Klänge auf Albumlänge nicht langweilig werden, liegt neben den eingängigen Melodien, welche die Isländer großzügig verpulvern, vor allem auch daran, dass im richtigen Moment Tempo und Stil variiert werden. So kommt ein „Wooden Teeth“ mit seinem leichten Country-Einschlag gerade recht und stellt eine willkommene Abwechslung dar. „Softship“ und das düstere „Warm Blood“ überraschen mit knackigen E-Gitarren. „We Fell Off The Roof“ lässt einen mit seinen Kalimbaklängen in Kindheitserinnerungen schwelgen und wird durch die geschickt eingewobenen Einwürfe mit vollem Bandsound und durch die besonders schöne Geigenmelodie zu einem der stärksten Songs des Albums.

Ganz ungezwungen und mit einer gelassenen Selbstverständlichkeit musizieren Seabear auf ihrem zweiten Album. Kaum versieht man sich, ist man schon am Ende dieses leichtfüßigen und kurzweiligen Albums angelangt, das ein weiteres Mal aufzeigt, dass man bei isländischen Bands blind zugreifen kann. Fans von verträumtem Folkpop werden mit „We Built A Fire“ garantiert glücklich werden.

Kilian Braungart

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