Rezension

Samavayo

Vatan


Highlights: Vatan // Hate Of A Thousand
Genre: Stoner Rock // Progressive Rock
Sounds Like: Black Sabbath // Tool

VÖ: 23.11.2018

Samavayos Bandgeschichte gleicht einer Achterbahnfahrt: Vom steilen Aufstieg mit Major Deal, welcher sich im Nachhinein als großes Missverständnis herausstellte, bis zum abrupten Fall in die Tiefe haben die Berliner so ziemlich alles mitgemacht. Aus den Trümmern als Trio wieder hervorgekommen feilen sie seitdem Stück für Stück an ihrer Rehabilitation. Ihr neues Werk „Vatan“ pendelt sich ein im gewohnten Grenzbereich zwischen Stoner-, Desert-, Alternative- und Progressive-Rock und vollzieht diesen Prozess nun endgültig.

„Vatan“ bedeutet Heimat. In dem gleichnamigen Titeltrack des Albums singt Sänger Behrang Alavi ein Gedicht der iranischen Schriftstellerin Simin Behbahani und nimmt damit genau wie auf dem Vorgängeralbum „Dakota“ Elemente der persischen Kultur in die Musik der Berliner Urgesteine auf. Nicht nur, dass das Gedicht auf Persisch gesungen wird, auch die Melodieführung der Vocals spielt mit den für den orientalischen Raum typischen mikrotonalen Bewegungen, mit in sich übergehenden Tönen und sich ziehenden Klängen. Untermalt wird das Ganze vom typischen Samavayo-Sound: heavy, düster, groovy.

Wer die Band bereits live gesehen hat, weiß, was für eine Präsenz und Energie die drei Berliner auf der Bühne versprühen. Dies auf Platte zu übertragen, ist zugegeben kein einfaches Vorhaben – live ist alleine die Performance an den Drums jeden Penny wert – und dementsprechend nur teilweise gelungen. Schwermütiger, kompakt und weniger melodieorientiert als der Vorgänger, erstrecken sich die sieben Songs auf 46 Minuten Spielzeit. Songtitel wie der Titeltrack „Vatan“, oder Opener „Prevariation Nation“ oder auch „Children Of Kobane“ lassen die politische und gesellschaftliche Komponente der Band erkennen, was für eine Band im Metal-/Stoner-Umfeld (leider) eher ungewöhnlich ist.

Flankiert wird Sänger und Gitarrist Simin Behbahani von den Brüdern Volland, die die Songs durch vertrackte, druckvolle und präzise Rhythmusarbeit an Schlagzeug und Bass zum Grooven bringen. Die Songs gehen nach vorne, lassen kaum Platz zum Durchatmen, ein heavy Riff jagt das nächste und selbst die Halftime-Grooves entwickeln einen unwiderstehlichen Vorwärtsdrive. Durch krumme Takte mit spontanen Taktwechseln bleiben die Songs über die gesamte Albumlänge interessant und man erwischt sich mehrmals selbst dabei mitzuzählen im Versuch, die Eins zwischen den ganzen verschobenen und angehängten Halbtakten zu finden. Alles stets im heavy Stonerrock-Gewand, vollgespickt mit progressiven und Metal-Elementen. Im versteckten Hit der Platte „Hate Of Thousand“ wird es streckenweise mal entspannter und auch die Psychedelic-Fans kommen auf ihre Kosten, bevor das Groove-Ungeheuer wieder die Zügel anzieht. Was auf Albumlänge etwas zu kurz kommt, ist die melodische Komponente, die meist lediglich über die Vocals Einzug findet. Dies wird jedoch durch die exzellente Rhythmusarbeit, interessante Songstrukturen und astreines musikalisches Handwerk wett gemacht.

Abhilash Arackal

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