Rezension

Ry X

Dawn


Highlights: Dawn // Only // Berlin // Howling
Genre: Elektro-Folk // Singer-Songwriter
Sounds Like: James Blake // Bon Iver // James Vincent McMorrow

VÖ: 06.05.2016

Die Geschichte, die zu Ry X und seinem Debütalbum „Dawn“ führt, ist klassisches Storytelling. Als australischer Surferboy in Los Angeles zu Ruhm gekommen (unter anderem Support für Maroon 5), wird Ry Cuming schnell klar, dass er mit seiner Popmusik Teil einer Vermarktungsmaschinerie wurde, die er nicht ertrug und aus der er daher ausbrechen wollte. Also: Eskapismus. Surfen in Indonesien, Rumhipstern in Berlin. Und dort begann Cuming sich wieder mit Musik zu beschäftigen: In Indonesien die Akustikgitarre, in Berlin der Techno. Beides fand bereits 2012 als Elektro-Folk getarnt seinen Weg in die Musik des Australiers. Das allseits gelobte „Berlin“ war ein vielsagender Vorbote seines zweiten Debütalbums „Dawn“ – diesmal unter dem Pseudonym Ry X.

Und ja, „Dawn“ ist seicht – sanfte Beats, Piano oder Akustikgitarre, das hohe Falsett Cumings und dazu eine gehörige Prise Zerbrechlichkeit. „Dawn“ ist dann am stärksten, wenn man sich darauf einlässt, dass Cumings ein echtes Anliegen hat, man ihm sein Leiden zwischen Hipsterbart und Elektrogeplucker abnimmt. In der Theorie schlägt Ry X die Brücke zwischen James Blake und Jeff Buckley. Die 12 Songs jedoch bieten letztlich wenig Neues und kaum Abwechslung. Nicht zuletzt, weil mit „Howling“ und „Berlin“ zwei 3-4 Jahre alte Songs auf dem Album gelandet sind.

Die Geschichte von Ry X endet sicher nicht auf „Dawn“, denn die Musik trifft den Zeitgeist einer urbanen Generation, die zwischen Sensibilität und Dancefloor hin und her schwankt. Um das Potenzial völlig auszuschöpfen, muss Cuming mehr wagen und das sichere Terrain verlassen. Doch alles zu seiner Zeit.

Andreas Peters

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