Rezension

Ross From Friends

Family Portrait


Highlights: Don't Wake Dad // Thank God I'm A Lizard // Pale Blue Dot
Genre: LoFi-House // Electro // Techno
Sounds Like: Jamie XX // Daphni // Mano Le Tough

VÖ: 27.07.2018

Inmitten des Hochsommers erscheint bei Brainfeeder das Debütalbum seines Labelneulings Felix Clary Weatherall. Der Zeitpunkt ist durchaus passend gewählt, denn der Brite liefert mit seinem LoFi-House einen Stilmix irgendwo zwischen John Talabot, Mano Le Tough, Jamie XX oder Feuilleton-Liebling DJ Koze.

Da gibt es leiernde Synthie-Sounds, die wie aus alten, unter der flirrenden Hitze dahinschmelzenden Tapedecks abgespielt klingen. Dazu gesellen sich scheppernde Beats mit klirrenden Hi-Hats ganz im Stile längst vergessener, miserabler 128-kbit-mp3-Dateien. Aber auch düstere Clubsounds und extraterrestrische Vocal-Effekte, so dass „Family Portrait“ in der Summe genauso hip-modern wie nostalgisch daherkommt. Da passt es, dass Weatherall sich mit seinem Debüt auf Albumlänge daran erinnert, wie sein Vater, seinerzeit selber analoger Electro-Freak, in den 80ern durch die europäischen Lande zog und so seine zukünftige Frau und Weatheralls Mutter kennenlernte – „How my Dad met my mother“ sozusagen.

Womit wir bei den Serien wären. Der „echte“ Ross aus „Friends“, Schauspieler David Schwimmer, war über die Namenswahl des Londoner Produzenten überhaupt nicht amused (“NAME THIEF!”, “HOW DID YOU MAKE ME SOUND LIKE THAT?” konnte man etwa in Sozialen Medien lesen). Denn Schwimmer versucht seit einiger Zeit selber, mit experimentellen Klängen und eingespielten Zitaten der Fernsehshow seine Vergangenheit als Serienheld zu verarbeiten. Es sind diese Anekdoten, die das zwar gut hörbare und zur Jahreszeit passende, aber eben doch über weite Strecken durchschnittliche „Family Portrait“ besonders machen.

Jonatan Biskamp

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Video zu "Pale Blue Dot"

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