Rezension

Romare

Projections


Highlights: Motherless Child // Roots
Genre: TripHop // Ambient // Jazz
Sounds Like: DJ Shadow // Arca // Massive Attack // Gotan Project

VÖ: 20.02.2015

„Projections“, das Debütalbum von Romare, kommt mit einigen Vorschusslorbeeren und aufmerksam machenden Vergleichen daher. Elektronisch, sowohl zu Hause in der eigenen Anlage funktionierend, als auch clubtauglich soll es sein. Dazu im Namedropping unter anderem Größen wie DJ Shadow, außerdem die Behandlung gesellschaftskritischer Themen. Hommagen an die Homosexuellenbewegung der 1970er Jahre (“Rainbow“), Nina Simone im Opener oder das Aufgreifen des bekannten afro-amerikanischen Gospels „Sometimes I Feel Like A Motherless Child“. Romare, der sich nach einem afro-amerikanischem Künstler benannt hat, lädt sich also viel Gepäck auf – zumal er auch musikalisch überall wildert.

Und ja, „Projections“ wagt den ambitionierten Spagat zwischen Club und Anlage – schafft ihn aber zumindest auf Albumlänge nicht. Die einzelnen Songs sind Entweder-oder-Stücke. Entweder gute, brauchbare Diskonummern wie das genannte „Rainbow“, der ins Electro-Swing gleitende „Work Song“ oder das jazzige „Roots“, dem man die Weiterführung oben genannter Kulturtraditionen abnimmt. Daneben, oder meist dazwischen stehen Ambientsounds und seichter Triphop wie in „Prison Blues“ oder „Jimmy’s Lament“. „Motherless Child“ entführt das Traditional aus der Vergangenheit und gibt ihm ein hypnotisches, neues Gewand.

Es ist dieses Zwischen-den-Stühlen-Sitzen, was „Projections“ zu einem schwierig zu greifenden Album macht. Die Ansätze sind da – auch der genannte DJ Shadow passt als Referenz ganz gut – aber in der Komplettbetrachtung fehlt der rote Faden. „Projections“ ist ähnlich wie „Xen“ von Arca – ein Produzentenwerk, auf dem Romare sein Können zeigt, seine Einflüsse, seine Möglichkeiten. Diese wirken jedoch nicht gänzlich zu Ende gedacht. Romare will sehr viel, verzettelt sich dabei aber ein wenig. Im Gesamtpuzzle „Projections“ mögen die einzelnen Teile nicht ganz zusammen passen, die einzelnen Stücke jedoch lohnen sich.

Klaus Porst

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"Work Song"
"Motherless Child"
"Roots"

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