Rezension

Rocko Schamoni & Mirage

Die Vergessenen


Highlights: Rom // Morgenlicht // Das Zelt
Genre: Orchester-Pop
Sounds Like: Hildegard Knef // Ton Steine Scherben

VÖ: 22.05.2015

Das Schaffen Rocko Schamonis liest sich vielfältig. Als Mitglied des Trios Studio Braun hat er wohl mehr als einen Lachmuskel überreizt, mit Fraktus den Techno erfunden, nebenbei einige Bücher verfasst und eine eigene Schmuckkollektion Namens „Scheiße von Schamoni“ herausgebracht.

Mit seinem aktuellen Projekt „Die Vergessenen“ wendet sich das Multitalent wieder der Musik zu und das im großen Stil. Einst als Revue für ein Theater-Festival erdacht, wurde nach dessen Absage die Idee nicht aufgegeben und es entstand „Die Vergessenen“. Eine von Schamoni zusammengestellte Songauswahl, bestehend aus weitgehend unbekannten Stücken von Künstlern wie Hildegard Knef, Ton Steine Scherben und ZSK. Arrangiert von Schamoni und Bandleader Sebastian Hoffmann werden diese vergessenen Songperlen vom eigens gegründeten Orchester „Mirage“ herausragend in Szene gesetzt.

So zeigt gleich zu Beginn der Song „Rom“ mit aufwändigem Bläsersatz eindrucksvoll auf, wo die musikalische Reise hinführt. Denn hier wird mit dem großen Besteck gearbeitet. Wer bei dem Begriff „Pop-Perlen“ vielleicht mit Easy-Listening und beiläufiger Beschallung rechnet, hat diese Rechnung ohne das Orchester gemacht. So swingt es elegant durch „Angela“, eine Eigenkomposition Rocko Schamonis, um in der Vertonung von Morgenlicht die E-Gitarre ordentlich von der Leine zu lassen. Einziger Wermutstropfen ist, dass seine gesangliche Leistung nicht immer mit der Qualität des Orchesters mithalten kann.

Rocko Schamoni verhilft, mit der großartigen Unterstützung des Orchesters, den Songs zu einem hörenswerten Comeback und vielleicht zur angemessenen Anerkennung in der Öffentlichkeit. Und das alles ohne die sonst so präsente ironische Distanz Schamonis zur eigenen Kunst. Hier macht er ernst und das ist gut so.

Sönke Holsten

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