Rezension

Rival Schools

Pedals


Highlights: Wring It Out // Shot After Shot // A Parts For B Actors // Big Waves
Genre: Rock // Indie
Sounds Like: Sunny Day Real Estate // Marr // Jimmy Eat World // The Van Pelt

VÖ: 04.03.2011

Eine kleine Geschichtsstunde für die Jüngeren unter den Lesern:
„United By Fate“. Das war vor zehn Jahren so etwas wie das Manifest der spätpubertierenden Generation (Jahrgang 80 - 85). Es war ein Sommer, in dem vor allen Dingen drei Dinge wichtig waren: das Skateboard, Mädchen und diese Platte. Woher die Rival Schools auf einmal kamen, wusste niemand. Quicksand? Nie gehört. Sie waren einfach zum richtigen Zeitpunkt da und deswegen ganz oben auf der Beliebtheitsskala der Freiplatz-Clique. Ja, man nahm dafür sogar die damals schon uncoolen A in Kauf, um Walter Schreifels und Co. zumindest live als Vorband zu sehen. Und dann ging Gitarrist Ian Love und kurz darauf war ganz Schluss. Ein Abgang so schnell wie das Auftauchen der Rival Schools.

Wenn so viele Erinnerungen und eine prägende Lebensphase an eine Band geknüpft sind, ist man natürlich besonders skeptisch, was eine Reunion angeht. Bloß nicht alles mit einem halbgaren Rohrkrepierer kaputt machen! Das war die große Befürchtung, die man im Vorfeld hatte, denn schließlich sind die Rival Schools 2011 personell die gleiche Band wie vor zehn Jahren und müssen sich daher konsequenterweise dem Vergleich stellen. Klar, man hat während der Auszeit die diversen Projekte von Walter Schreifels mitverfolgt, aber es war eben schlussendlich trotz einiger Ähnlichkeiten einfach nicht das Gleiche.

Groß war entsprechend die Aufregung vor dem ersten Hören von „Pedals“. Können sie mich noch packen? Lösen sie die gleichen Gefühle wie damals aus? Wird man noch ein mal für eine dreiviertel Stunde zehn Jahre jünger?

Tatsächlich und etwas überraschend (die Erwartungen wurden im Vorfeld zum Selbstschutz runtergefahren) schaffen es die Rival Schools ohne Bruch oder Qualitätsverlust genau da anzusetzen, wo „United By Fate“ aufgehört hatte. Alles ist noch da. Der Schrammel-Pop, die unsterblichen Melodien, die Stimme von Walter Schreifels, die einfach besser passt, als es irgendeine andere Stimme auf diesem Planeten tun könnte. „Wring It Out“, „Shot After Shot“ und „Big Waves“... Klassiker wie jeder beliebige Song des Debüts.

Und dennoch ist nicht alles so wie früher und dennoch tut es nicht weh. Vielleicht liegt es daran, dass man wie die Band eben ein Jahrzehnt älter geworden ist. Man weiß es nicht und es ist im Prinzip auch piepegal. Die Rival Schools klingen in vielen Stücken einfach, und jetzt kommt die tödlichste und ausgelutschteste Musikjournalismus-Phrase ever, reifer und erwachsener. Songs wie „69 Guns“, „Small Doses“ oder „A Parts For B Actors“ nehmen sich mehr zurück, preschen nicht so ungestüm nach vorne. Es erinnert ein wenig an die Wandlung von The Van Pelt von ihrem ersten Album hin zu „Sultans Of Sentiment“. Und genauso gut funktioniert diese Weiterentwicklung auch auf „Pedals“. Die Jugendliebe ist zurück und sie ist noch genauso hübsch wie früher. Manche Dinge ändern sich zum Glück eben doch nie.

Benjamin Köhler

Sehen


Video zu "Wring It Out":

Hören


"Shot After Shot" als Free-Download (gegen E-Mail Adresse):
www.codeshopper.de

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.