Rezension

Rival Consoles

Persona


Highlights: Persona // Be Kind // Rest
Genre: EDM // Elektro // Neo Classic
Sounds Like: Kiasmos // Jon Hopkins // Pantha Du Prince

VÖ: 13.04.2018

Das vierte Studioalbum des britischen DJs und Produzenten ist ein komplexes Werk – schon in seinem Grundkonzept. Titel und Cover des Albums sind angelehnt an Ingmar Bergmanns gleichnamigen Experimentalfilm von 1966. Der Film beginnt mit zwei unscharfen Farbklecksen, die sich erst mit schärfer werdendem Bild als zwei Lampen entpuppen.

Nicht nur diesen Anfang hat Ryan Lee West adaptiert. Der Farbklecks ist bei ihm eine sich im Echo verlierende Snare-Drum, die erst im Verlauf des Songs mit vagen Synthies begleitet wird und deren Spannung schlussendlich von einer Bass-Drum aufgelöst werden.

Doch hier hören die Parallelen zu Bergmanns Film noch nicht auf. Dort versucht ein kleiner Junge, eine Frau auf einem Bildschirm zu berühren. Dieses Bild, menschliche Emotionen und Kunst unmittelbar miteinander zu verheiraten, nutzt Rival Consoles hier auch. Er nennt es eine "elektronische, klangliche Fortführung des Selbst". Und dieses Selbst klingt bisweilen äußerst düster. Viele der Tracks wie "Phantom Grip" sind von unerträglichen Spannungsbögen durchzogen, während "Persona" mit Burial-esken Drums aufwartet. Doch es ist nicht alles düster. "Be Kind" ist eine pure Schönheit. Ein an Frahm oder Arnalds (klar, Erased Tapes halt) erinnerndes Stück Neo-Klassizismus, das Hoffnung spendet und kurzzeitig das Herz erwärmt.

Die Persönlichkeit in ein Album zu kippen, insbesondere in ein Techno-Album, kann ein mitunter gefährliches Unterfangen sein. West ist es gelungen. "Persona" ist tanzbar, emotional, artsy. Und ein mehr als würdiges Werk für ein Label wie Erased Tapes.

Andreas Peters

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