Rezension
Retro Stefson
Retro Stefson
Highlights: Glow // Qween // (O)Kami
Genre: Weltmusik
Sounds Like: Vampire Weekend // Manu Chao // El Guincho
VÖ: 22.03.2013
“Did I listen to music because I was miserable? Or was I miserable because I listened to music?” Diese Frage stellte sich Protagonist und Musiknerd Rob Gordon in Nick Hornbys Roman “High Fidelity”, als er über die “großen Gefahren” der Musik philosophierte: „People worry about kids playing with guns, nobody worries about kids listening to thousands of songs about heartbreak, rejection, pain, misery and loss.”
Und in der Tat, Musik ist und war schon immer ein ständiger Begleiter, wenn man sich mal wieder unter der Bettdecke verkrochen hat, um einer verflossenen Liebschaft nachzutrauern. Von Frank Sinatras "In The Wee Small Hours“ bis hin zu Keaton Hensons “Dear“ – immer war jemand da, der einen genau verstanden hat und der genau das zum Ausdruck bringen konnte, was tief in den gebrochenen Herzen der Verlassenen schmerzte – doch besser machten sie den Gefühlszustand dadurch bei weitem nicht.
Dazu bedarf es eher die Musik anderer Künstler, Retro Stefson zum Beispiel. Die junge, siebenköpfige Band aus Island scheint sich weder etwas aus irgendwelchen traurigen und herzzerreißenden Songs zu machen noch aus den sonst eher gewohnt düsteren und späherischen Klängen ihrer Heimat.
Stattdessen liefern Retro Stefson nun mit ihrem dritten, selbstbetitelten Album einen Nachfolger ab, gegen den keine Bettdecke dieser Welt eine Chance hat. Wie schon bei ihrem 2011 erschienenen internationalen Debüt "Kimbabwe“ machen die Isländer wieder mal keinen Halt vor irgendwelchen Genregrenzen. Egal, ob Disco, Afrobeat, Soul, Metal, Pop, Indie: auch dieses mal wird sich an jeder Schublade bedient, die die Musiklandschaft zu bieten hat – im Vergleich zu "Kimbabwe“ allerdings mit deutlich größerem Anteil an Electro, Keyboard und Synthies.
Deutlich wird dies beim Song "Qween“, der zunächst nach einem astreinen Elektropop-Song klingt, ehe er von Drumbeats und Discoklängen eingeholt wird, und sich dadurch zu einem perfekten club- und radiotauglichen Stück entwickelt. Oder beim Opener "Solaris“, der zu Beginn ruhig und atmosphärisch daher kommt, bevor er kurze Zeit später mit Beat und Synthies die weitere Richtung des Albums vorgibt. Lediglich bei "Miss Nobody“ rücken die Gitarren wieder etwas mehr in den Vordergrund und erfreuen dadurch auch so manchen Rockerfreund, ohne die Electro-Anhänger jedoch ganz zu vergraulen. Denn trotz der vielfältigen Genres, der sich Retro Stefson bedienen, ist das ganze wieder einmal absolut passend und stimmig gelungen, Leichtigkeit und Spielfreude inklusive.
So bleibt am Ende also nur noch eine Frage offen: “What came first, the music or the misery?” Im Falle von Retro Stefson ist die Antwort auf jeden Fall klar.
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