Rezension

Purling Hiss

Water On Mars


Highlights: Mercury Overdrive // Rat Race // The Harrowing Wind
Genre: Grunge // Indie Rock // Garage Rock
Sounds Like: Dinosaur Jr. // California X // Sebadoh

VÖ: 22.03.2013

Die Geschichte ist bekannt. No-Fi-Rumpeltruppe erspielt sich durch unentwegtes Touren blutige Finger und eine loyale Fanbasis, wird von einem größeren Label entdeckt, nutzt das größere Aufnahmebudget, um den Klang gehörig auszumisten und verliert dadurch die ganze Energie, die sie in erster Linie spannend gemacht hat. Zum Glück verzichten Purling Hiss auf den letzten Teil. Mit „Water On Mars“ mutieren sie zum schmuddeligen Bruder von Dinosaur Jr.

Dabei macht der Opener „Lolita“ erst mal stutzig und klingt mit prolligem Gegröle und übermäßigem Gitarrengewichse zunächst wie Royal Trux, ohne dabei deren Augenzwinkern verstanden zu haben. Doch das ist alles nur eine falsche Fährte. „Water On Mars“ ist eigentlich das Album, das Dinosaur Jr. nicht mit „I Bet On Sky“ abgeliefert haben. Man höre sich nur den fantastischen Fuzz auf „Mercury Overdrive“ oder den gedankenverlorenen Singsang auf „The Harrowing Wind“ an. Es ist, als würde J. Mascis hier als Ghostwriter fungieren und eine Entschädigung für das enttäuschende letzte Album abliefern. Natürlich gibt es auf dem Album auch die obligatorischen Emanzipationsversuche wie das hektische „Face Down“. Doch es sind die altbewährten Formeln, die hier am besten funktionieren.

„Water On Mars“ ist über weite Teile ein dreistes Plagiat. Trotzdem gehören Purling Hiss zusammen mit California X zur Speerspitze des gerade grassierenden Grunge-Revivals und Vertreter eines Zeitgeistphänomens, bei dem handwerkliche Tugenden über künstlerischer Originalität stehen. Darf man also das bessere Plagiat dem enttäuschenden Original vorziehen? Das entscheidet schlussendlich der Hörer selbst. Geht man davon aus, dass Musik in erster Linie Spaß machen soll, dann muss man. Innovationsfetischisten werden hingegen einen großen Bogen um dieses Album machen. Es wäre allerdings schade, schließlich sind die Lieder einfach zu gut, um nicht glückselig die Matte zu schwingen und beherzt in die Saiten der Luftgitarre zu greifen.

Yves Weber

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