Rezension

Pigeon Funk

The Largest Bird In The History Of The Planet... Ever!


Highlights: Alma Hueco // Not Gonna // Bacchanal // Brukim Lo
Genre: Glitch
Sounds Like: Mouse On Mars // Aphex Twin // Matthew Herbert // Sutekh // Kit Clayton

VÖ: 31.10.2008

Die Zerstörtheit des wunderbaren Genres Glitch fordert offenbar von seinen Protagonisten den ein oder anderen Gehirnschaden. Aphex Twin und Mouse On Mars demonstrieren das immer mal wieder gerne, doch der megalomanische Wahnsinn, den Seth Horvitz (aka Sutekh) und (Joshua) Kit Clayton als Pigeon Funk via Musique Risquée in Form eines Albums auf die Hörerschaft loslassen, sucht seinesgleichen. „The Largest Bird In The History Of The Planet … Ever!“ schimpft sich das Teufelswerk, und es dürfte der beste elektronische Gehirnf*** sein, den das Jahr 2008 sehen und hören wird.

Eine solche Bezeichnung impliziert beileibe noch nicht, dieser Vogel sänge schön, oder fiele durch seinen deliziösen Geschmack außergewöhnlich auf. Aber das tut er … weitestgehend. Natürlich stellt sich die Frage, ob Glitch Funk haben kann. Allerdings ist die Funkyness trotz ihrer Betonung im Projektnamen eher zweitrangig, taucht aber doch nicht nur, aber besonders im Track „Purple Pigeon“ prominent auf. „Tufa“ wiederum klingt und wirkt wie eine durchschnittliche Mouse-On-Mars-Nummer, gut, aber nicht mehr. Aber das Geheimnis dieser selbstdeklarierten Pop-Techno-Disco-Acid-Blues-Klezmer-Jazz-Toiletten-Geschmacklosigkeit bildet, mit Funk und Aphex Twin trifft Matthew Herbert Tracks („Brukim Lo“) ist es nicht getan. Neben standesgemäßen Elektro- und Dub-Frickeleien, unter Bleeps und Clonks verstecken Pigeon Funk ein kunterbuntes – aber nicht willkürliches – Arsenal weiterer Stile, Elemente und Prägungen. Bei der gewählten Herangehensweise erstaunt vor allem die Poppigkeit, die Sutekh und Kit Clayton noch den verrücktesten Sounds entlocken und in die verschrobensten Tracks packen. Dies fällt im Opener „Mess Call“ sowie vor allem in den Albumhöhepunkten „Not Gonna“ und „Bacchanal“ auf.

Des Weiteren kommt der Pigeon Funk mal als Cuban Mambo Glitch („Alma Hueco“), mal als Latin Bass Hop („Parados“) oder aber als Blues-Jazz („Blue Bus“) um die Ecke. In den Zugaben packt „Mise En Scène“ sogar die Drehorgel aus, und „Pom Pom Yom Pom Pom“ gibt den Hyperraum-Klezmer. Die übertriebene Spaßigkeit des letzteren – bei allem Gefallen an dem Track – stößt ein wenig sauer auf. Aber über diesen kurzen Misston am Ende des Albums kann bei der Attraktivität, der kinnladerunterklappenlassenden, idiotischen Genialität des Großteils dieses Werks einfach hinweggesehen werden. Tanzbarer Größenwahn, futuristische, musikalische Gehirnerweichung, poppige Zerstörtheit, all das – und eine ganze Ecke mehr – ist Pigeon Funks „The Largest Bird In The History Of The Planet … Ever!“.

Oliver Bothe

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