Rezension

Patrick Watson

Love Songs For Robots


Highlights: Bollywood // Love Songs For Robots // Alone In This World
Genre: Singer-/Songwriter // Electro-Folk // experimentelles Genrehopping
Sounds Like: Fleet Foxes // Antony & The Johnsons// Feist

VÖ: 08.05.2015

Patrick Watson hat recht: Wir sollten unseren Staubsauger mal wieder umarmen, damit wir uns in der gegenwärtig so mechanischen Welt wieder etwas wohler fühlen. Oder hat der Musiker das mit seinem Albumtitel „Love Songs For Robots“ gar nicht gemeint? Sind wir selbst vielleicht die Roboter, die mittlerweile blechern durch die Welt staksen? Hat uns Watson seine nun sechste Platte gewidmet? Möchte er unsere unterkühlten Herzen treffen?

Zugegeben: Es wäre ein Leichtes für ihn, dies zu bewerkstelligen! Selbst wenn unser Innerstes zu einem schweren, dunklen Klumpen verhärtet und wir zu seelenlosen Blechbüchsen verkommen wären – Watsons Musik würde uns wieder auftauen. Das Besondere: Der Kanadier tritt so behutsam mit seinen Kompositionen an uns heran, dass wir sein Tun nicht einmal bemerken würden. Ganz plötzlich würde unser Herzschlag wieder einsetzen und Blut durch unsere vertrockneten Adern pumpen. Allerdings geht es ihm mit dieser Platte eher darum, typisch menschliche Wesenszüge gegen jene unmenschlichen einer Maschine herauszuarbeiten, gleichzeitig aber auch anzumerken, dass wir in unserem Alltag mitunter mechanischer sind, als uns gut tut.

Dafür hat sich Watson komplex aufgestellt: Psychedelic, Rock, Electro, Folk, Pop oder Klassik verwebt der Künstler zu geräuschvollen Weiten. Dabei geht er unerschrocken vor: er metzelt alles nieder, was einem bekannt ist, nur um danach direkt wieder in vertraute Muster zu driften. Darüber erreicht sein Falsett ungeahnte Höhen und die Rhythmen gehen häufig ihren eigenen Weg.;

Watson verfolgt bei seiner Arbeit eine eigene Ordnung und verlässt sich auf sein Gespür. Er rutscht dabei niemals in konfuse Täler ab, sondern springt vollkommen schlüssig durch die Genres und Sounds. Ihm gelingt es, bei aller Komplexität, runde und organische Stücke zu erschaffen, die zwar satt und tief sind, aber den Hörer nicht überfrachten. Die hierbei erreichte Konsequenz ist beachtlich: Vom Opener, nach dem Albumtitel benannt, bis hin zum letzten Song „Places You Will Go“ reiht sich jedes Stück nahtlos ein. Aber auch für sich genommen funktionieren die Songs bestens und knüpfen an vorangegangene Großwerke des Musikers an.

Der Klangmeister at it’s best also. Ob nun Roboter, Menschen, Tiere oder Außerirdische zuhören: Unberührt bleibt ganz sicher keine Spezies.

Silvia Silko

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Patrick Watson mit dem Albumopener "Love Songs For Robots"
"Places You Will Go", der letzte Song des Albums, von Patrick Watson

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