Rezension
Palpitation
Palpitation
Highlights: I Lost And Died // You And I // One Step Behind
Genre: Indie-Pop // Dream Pop
Sounds Like: the xx // Beach House // Beach Fossils // Real Estate
VÖ: 18.01.2013
Ist das nicht ein bisschen zu viel der Dramatik? „I’m afraid of losing you, I’m afraid to die“ singen die beiden Schwedinnen Maria Vejde und Ebba Carlén gleich im ersten Song ihres selbstbetitelten Debütalbums. Wenn eine Band sich in ihrem Songwriting derart unkontrolliert von ihren Emotionen leiten lassen darf, dann Palpitation, die sich nach dem Symptom, den eigenen Herzschlag zu spüren, benannt haben. Welch ein treffender Name für eine Band, bei der es immer um diese bittersüße Ambivalenz des Liebeskummers geht, die man zu spüren bekommt, wenn einen die Gefühle übermannen, wenn bei allem Herzschmerz immer noch ein kleiner Funke Hoffnung mitschwingt. Ob es Zufall ist, dass sich gleich mit den ersten vier Songs die selbstzerstörerischsten und hoffnungsvollsten Songs des Albums direkt abwechseln?
Es sind das ewige Auf und Ab und die Spannung zwischen den Extremen, aus denen Palpitation als Musiker ihre Stärke ziehen. Eigentlich müsste einem dieses Hin und Her auf Albumlänge irgendwann den letzten Nerv rauben, aber dafür steckt zu viel Wahrheit in dem, wovon die beiden Schwedinnen singen – und das wissen wir alle nur zu gut. Außerdem glaubt man ihnen, dass sie es ernst meinen, wovon sie singen, man spürt, wie viel sie in diese Songs gesteckt haben. Zudem sind das auch einfach durchweg starke Songs, die sich durch die ungewöhnliche Gesangsweise weiterhin auch angenehm vom allgemeinen Indiepop-Einheitsbrei abheben.
Die Spannung zwischen Strophe und Refrain in „You And I“, der wunderbar treibende Rhythmus von „One Step Behind“, der die im Text zum Ausdruck kommende Rastlosigkeit unterstreicht oder die strahlenden Bläsereinsätze von „Wait/Fall/Leave“ und „What If“ – es gibt viele Dinge, für die man sich immer wieder gerne erneut auf diese Achterbahnfahrt einlässt. Bei all der Schwere der Themen, um die sich das Debütalbum von Palpitation dreht, ist es doch auch ein ausgesprochen schönes Album, dessen Melodien einem immer wieder im Kopf herumschwirren.
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