Rezension

Otto von Schirach

Oozing Bass Spasms


Highlights: Subatomic Disco Divas // Sliced Doves On Codeine
Genre: Bass'n'Breakcore
Sounds Like: DJ Donna Summer // Scooter // Alec Empire // Aphex Twin // Koze // Mr. Bungle

VÖ: 11.07.2008

Jason Forrests Label Cock Rock Disco schickt den nächsten auditiven Horrorladen in den Kampf. Nach des Meisters eigenem DJ-Donna-Summer-Album „Panther Tracks“ machen sich auch auf Otto von Schirachs neuem Album stampfende Bässe, extreme Breaks, Ravesynthies und Pornolyrics auf, den gemeinen Hörer zu entgeistern. Wenn das gelungen ist, werden der Aufwand gesteigert und die wirklich absurden B-Movie-, Horror- und Porno-Samples ausgepackt.

Wie bei Label-Chef Forrest strengen diese „Oozing Bass Spasms“ ganz schön an. „Geiler Scheiß, aber halt doch Scheiß“ – um ein Selbstzitat einzufügen. Trotz allem erfüllen Tracks wie „Subatomic Disco Divas“, „Nightmare Nipple F“, „Dance Like a Hoe“ – nein, nicht „Horton hears a hoe“ –, „Pussy Pump“, „DJ Hepatitis Tofuburger“ oder „Satanic Unicorn Orgy“ natürlich das Versprechen des Albumtitels. Bass und Breaks führen ganz sicher zu Krämpfen, ob die nun langsam hervorsickern, oder einfach schwitzend vor sich gehen, liegt im Ohr des Hörers. Solange das nicht blutet – eine sicher nicht ausgeschlossene Nebenwirkung – sollte alles in Ordnung sein.

Viele der 18 Tracks füllen mehr, als dass sie als eigene Stücke zu sehen wären, der Liquido-Remix „Romance In The Club“ – wie viel Liquido da auch immer drinstecken mag – wirkt großteils selten fehl am Platz, ebenso wie das langweilige „We Can Get 2gether“, doch mit „Her Blood Is Poison“ findet sich sogar ein Clubcharts-tauglicher Track. Der Rest erkämpft sich zwischen Bass und Core den Rang eines Splatteralbums. Gepflastert mit Leichen sozusagen.

Den Reiz der Anstrengung dieser Kadaverzählung machen solche Monstertracks wie der stampfende Bass von „Subatomic Disco Divas“ aus, der zu Beginns des Albums Spannung erzeugt und freudige Erwartung weckt. Etwas, das mit „Nightmare Nipple F“ durchaus gerechtfertigt wird, wenn auch die Vocals vielleicht ein wenig arg auf das Wort Titty reduziert sind. Die Breakcoregewalttat „Magnetic Rave Headache“ mit ihren Schwestern „Stallion Milkshake (feat. Mochipet)“ und „S.T.D. Me“ sorgen im folgenden dann für die wohltuende Ohrentzündung. Von Schirachs Bass-Vorliebe belegen angenehm nervig „Dance Like A Hoe“, der Disco-Break-Bass-Core „Sliced Doves On Codeine“ sowie das zwischen Bass und Breakcore hin- und herwechselnde „Pussy Pump“.

Das Label Cock Rock Disco macht seinem Namen auch mit Otto von Schirachs „Oozing Bass Spasms“ alle Ehre. Ob man das mögen muss, sei dahingestellt. Interesant ist das allemal. Für das Adjektiv genial fehlt aber einiges.

Oliver Bothe

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