Rezension

Nothing

The Great Dismal


Highlights: Say Less // April Ha Ha // Bernie Sanders
Genre: Shoegaze // Alternative Rock
Sounds Like: Swervedriver // The Smashing Pumpkins // Hum

VÖ: 30.10.2020

Nothing schlagen thematisch mit ihrem fünften Album einen neuen Weg ein: Handelten die bisherigen Platten eher von persönlichen Schicksalsschlägen und deren Aufarbeitung, so hat sich die Band aus Philadelphia dieses Mal von der Entdeckung des schwarzen Lochs inspirieren lassen. Ein Objekt, das sämtliche Existenz einfach so verschlingt, wenn man ihm zu nahe kommt. Kennt man so oder so ähnlich ja von der Menschheit, die sich ebenfalls alle Mühe gibt, die Existenz anderer Lebewesen und nebenbei auch noch die eigene zu zerstören. Kein Wunder, dass da „die große Trübseligkeit“ einkehrt angesichts der aktuellen Zukunftsaussichten.

Der Opener „A Fabricated Life“ klingt dann auch direkt wie ein Abgesang. Ja, eigentlich könnte man fast vermuten, die Band habe das Outro bewusst an den Anfang gesetzt. Ungewohnt sanfte Klänge tönen durch die ersten sechs Minuten, dazu wirkt Sänger Domenic Palermos Stimme noch fragiler als sonst. Etwas ungewohnt, so ein Fade-Out direkt zum Auftakt eines Albums. Denn danach werden die Regler auf Anschlag gedreht und Nothing zeigen, warum sie zur aktuellen Speerspitze des modernen Shoegazings gehören.

„Say Less“ jagt die Gitarren durch sämtliche verfügbare Effektgeräte und auch wenn die Produktion einen Hauch zu klinisch klingen mag – laut und verzerrt steht dem Quartett immer noch am besten. Das wird auch im weiteren Verlauf des Albums immer wieder deutlich. „Bernie Sanders“ (in dem es übrigens nicht um den Politiker sondern ums Velorensein in Japan geht) shoegazt eingängig in schöner 90er-Manier dahin. Sowieso sind fast alle Songs extrem zugänglich, ohne dabei allerdings Gefahr zu laufen, zu beliebig zu klingen.

„The Great Dismal“ sei übrigens auch gerade allen enttäuschten Fans der Smashing Pumpkins wärmstens ans Herz gelegt. Wer bei den neuesten Erzeugnissen von Billy Corgan und Co in Tränen der Verzweiflung ausbricht, der sollte sich vielleicht eher „April Ha Ha“ oder „Ask The Rust“ zu Gemüte führen und damit in alten Erinnerungen schwelgen. Der Gitarrensound dürfte einigen sehr bekannt vorkommen... Vom kreuzhässlichen Coverartwork mal abgesehen also wieder ein sehr überzeugender Leistungsnachweis, den Nothing da abliefern. Kein Grund Trübsal zu blasen.

Benjamin Köhler

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