Rezension

Nosaj Thing

Home


Highlights: Eclipse/Blue // Try // Home
Genre: Electronica
Sounds Like: Flying Lotus // Boards Of Canada // Daisuke Tanabe

VÖ: 01.03.2013

Viel Zeit ist vergangen seit „Drift“, dem Erstwerk und Vorgängeralbum von Nosaj Thing aus dem Jahr 2009. Vier Jahre also, die der Kalifornier mit koreanischen Wurzeln, Jason Chung, unter anderem mit zweijährigem, intensiven Touren, diversen Kollaborationen sowie der Veröffentlichung einer Remix-Version des Debüts verbrachte. Zuletzt war diese Zeit jedoch auch geprägt von privaten Problemen und Veränderungen, die letztendlich in depressiven Episoden gipfelten. Der Titel der Platte „Home“ klingt unter diesen Umständen nach Intimität und Reflexion, was die Erwartungen nach dem erfolgreichen „Drift“ nicht gerade schmälert.

Der Opener, der seinen Titel mit dem Albumnamen teilt, empfängt einen mit einem Vocal-Sample, welches schließlich in einem sphärischen Klangteppich aufgeht. Spätestens mit Einsetzen des Beats ist klar: Diese Platte ist nicht für die Clubs dieser Welt, vielmehr für Kopfhörer und Wohnzimmer gemacht, im Vergleich zu den teils treibenden Rhythmen früherer Zeiten. Diese verstärkte Introvertiertheit setzt sich fort im folgenden „Eclipse/Blue“, akzentuiert durch den warmen, beinahe gehauchten Gesang von Blonde-Redhead-Frontfrau Kazu Makino. Ein Highlight des Albums. Start nach vier Jahren Funkstille geglückt.

Wärme scheint auch weiterhin der zentrale Begriff von „Home“ zu sein. Denn im Folgenden fällt vor allem auf, dass die von weichen Synthie-Sounds getragenen Songs sehr harmonisch – man könnte auch sagen: ohne Ecken und Kanten – dahinschleichen. Lieder wie „Safe“ oder das verschlafene „Distance“ können den hohen Erwartungen nach vier Jahren Pause und gelungenem Albumstart nicht ganz gerecht werden, wenn sie sich ausschließlich in der Repetition ihres Grundmusters zu verlieren scheinen. Mit „Tell“ dreht Jason Chung dann noch einmal am bpm-Regler und hindert einen daran in Gedanken abzuschweifen. Der zweite Gipfel ist dann spätestens mit dem durch Toro Y Moi verfeinerten „Try“ erreicht. Hier gibt die Stimme dem Song das, was den anderen Stücken an Abwechslung fehlt. Die Ohren sind wieder frisch und es folgen die zwei überzeugenden letzten Tracks, das flotte „Phase III“ und das von einem Reversed-Piano dominierte „Light 3“.

Nosaj Thing 2013 ist in seinen guten Momenten großes atmosphärisches Kino (man schaue sich das Video zur Single-Auskopplung „Eclipse/Blue“ an, in dem Tanz und Musik eine beeindruckende Einheit bilden), gelegentlich aber auch nur Mittelmaß, ohne jedoch den eigenen Sound, die eigene Identität, aufzugeben.

Jonatan Biskamp

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