Rezension

Norman Palm

Songs


Highlights: Bitterness And Aftertaste // Boys Don`t Cry // Middletown Blues // Could I´ve Been Wrong
Genre: Singer/Songwriter
Sounds Like: Roman Fischer // The Marble Man // Conor Oberst

VÖ: 25.01.2008

Deutschland gilt ja gemeinhin als Exportnation. Im Bereich der Musik kann man das oft allerdings nicht behaupten. Klar, es gibt die einen oder anderen Künstler, die den Sprung über die nationalen Grenzen schafften, doch ist dieses Phänomen relativ rar und lässt sich meist nicht auf das Genre der deutschen Singer/Songwriter anwenden. Der Hauptgrund dafür mag vor allem die Sprachbarriere sein, doch auch jene, die sich der englischen Sprache bedienten, schafften es bisher nicht über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus.

Jetzt kommt da plötzlich so ein junger Typ an, nachdem er die Welt (Paris) mit seiner Akustischen im Gepäck bereist hat, und begeistert mit dem Cindy Lauper The Cure – Doppelcover von „Girls Just Wanna Have Fun/ Boys Don`t Cry“ die Blogosphäre und taucht in der MySpace-Freundesliste von Peter Licht auf. Und nun ein Album – „Songs“.

Was ist also dran an diesem Typen? Nun, zunächst mal wirkt das alles, was er da so macht, wahnsinnig sympathisch und zurückhaltend. Dennoch kommt man nicht umhin, nach Zusammenstoß mit seinem künstlerischen Output von einer gewissen kosmopolitischen Grundstimmung zu sprechen, die sich in der Musik festsetzt. Nicht, dass er mit seinen Songs das Rad neu erfindet, doch sollte das ohnehin nicht sein Anspruch sein. In gekonnter Singer/Songwritermanier setzt er auf tendenziell spartanische Instrumentierung und das Entleeren des Herzinneren in jeder einzelnen Zeile. Hierbei umschifft er den drohenden Schmalz allerdings immer ganz weit und trifft mit einer wahnsinnig ausgeklügelten Melodieführung und der immer an Zurückhaltung gedenkenden Stimme sofort ins Herz.

Diese Platte ist Herzschmerz mit Hoffnung. Eine Platte, die an den sich öffnenden Horizont nach einer Dauerdepression erinnert, an den Frühling, der den tristen Nebel des Winters verdrängt, an das erste Tragen eines T-Shirts, wenn es eigentlich noch ein bisschen zu kalt ist und an einen Kuss, der sich, egal zum wievielten Mal er stattfindet, gleichzeitig anfühlt wie der erste und letzte.

Man kann Norman Palm nur dafür danken, dass er diese Platte aufgenommen hat, die immer wieder eine Referenz aufflackern lässt, dabei aber so nebulös bleibt, dass sie nicht konkret zu benennen ist. Um das Werk noch zu komplettieren, fügt er dem ganzen ein 200-seitiges Buch mit Illustrationen und Bildern hinzu, die der studierte Kommunikationsdesigner beim Schreiben seiner Songs im Kopf hatte. Das ganze kommt also als Paket, als Audiobuch, wie auch immer – es ergänzt eine ohnehin schon großartige Platte zu einem kleinen Kunstwerk.

Songs fühlt sich so gar nicht deutsch an. Klar, denn Norman Palm ist Weltenbürger, pendelt zwischen Mexico City und Berlin und hält seine Homepage komplett auf Englisch – ein echter Kosmopolit eben. Insofern kann man sich dann vielleicht doch nicht mit einem Singer/Songwriter-Exportschlager krönen, wenn es soweit sein sollte – dazu ist sein musikalischer Output zu unabhängig von irgendeiner nationalen Restriktion.

Andreas Peters

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