Rezension

Nina Kraviz

DJ Kicks


Highlights: -
Genre: Minimal // Techno
Sounds Like: Nina Kraviz // Ben Klock // Marcel Dettmann

VÖ: 23.01.2015

Nina Kraviz – sie ist ebenso das mit Oberflächlichkeit protzende Showtalent als Interpretin ihrer eigenen Musik wie eine der (für ihr Können) weltweit bekanntesten weiblichen DJs. Erstere benutzt die gierigen Blicke in der von überwiegend männlichen Künstlern dominierten Techno-Welt, wenn sie mit ihrem Publikum spielt und zu Beinahe-Playback tanzend nur noch ihre Vocals sexy ins Mikrofon hauchen muss. Als DJ wiederum überzeugt sie durch auserlesene Sets, denen man ihre Liebe zur Musik deutlich anmerkt, und hoch gelobte handwerkliche Konstanz bei stets vollem Terminkalender.

Die zweite Person – es ist der aus dem sibirischen Irkutsk stammende Profi Kraviz – veröffentlicht nun für die seit 1995 bestehende „DJ Kicks“-Reihe die fünfzigste Ausgabe. Das für sie typische Set ist dabei buchstäblich "minimal" geraten und so findet sich in der Compilation kaum ein über Genregrenzen hinaus bekannter Name, mit Ausnahme ihres eigenen. Die Auswahl demonstriert ihr sauberes Arbeiten und ihre Ernsthaftigkeit bei der Sache. Andererseits steuert sie ohne Höhepunkte durch eine Zusammenstellung, bei der es schwierig wird, sie sich in einem anderen Kontext als frühmorgens in einem Club vorzustellen.

Irgendwie passt die unbarmherzige Trockenheit im Klangbild zu der sibirischen Weite, aus der Nina Kraviz stammt. Doch selbst die landschaftliche Einöde zeichnet sich durch den Kontrast zwischen Leben und einer sonst lebensfeindlichen Umgebung aus. Erst gegen Ende des Sets, wenn Kraviz die Beats entschleunigen lässt und Ambient-artige Muster erscheinen, schafft sie damit einen interessanten und bereichernden Wechsel und so etwas wie einen Kontrast, in dem Tiefe entsteht. Ein Stilmittel, welches bei häufigerer Verwendung das clubferne Medium CD-Compilation vorangebracht hätte, zumal dieses für den Künstler die Chance darstellt, auch Dancefloor-untaugliche Stücke zu präsentieren. So ist das Ergebnis jedoch leider nur ein realitätsgetreues Abbild des Profis Nina Kraviz bei der Arbeit geworden.

Jonatan Biskamp

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Nina Kraviz - "IMPRV" (The Deviant Octopus EP-Version)

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