Rezension

Neon Indian

Era Extraña


Highlights: Polish Girl // Fallout // Halogen (I Could Be A Shadow) // Suns Irrupt
Genre: Electro Pop // Dream Pop // Shoegaze
Sounds Like: Washed Out // Memory Tapes // Panda Bear // MGMT

VÖ: 07.10.2011

Der Nachwuchs hat es bekanntlich häufiger mal schwer, wenn der Vater eine nationale Berühmtheit ist. Alan Palomo aka Neon Indian kann da sicherlich auch ein Lied von singen, schließlich ist sein Papa Jorge in Mexiko ungefähr das, was Udo Jürgens im deutschsprachigen Bereich ist: eine Ikone. Was also machen, um aus dem Schatten des Erzeugers zu treten? Musikalisch völlig andere Wege zu gehen ist sicherlich schon mal der richtige Schritt. Geschah bereits mit der etwas wirren Debütsause „Psychic Chasms“. Abgehakt. Für den Nachfolger ließ Palomo aber dann gleich den halben Erdball hinter sich und nahm „Era Extraña“ kurzerhand in Finnland (!) auf. Kann man machen und das Ergebnis gibt dem jungen Mann recht.

Anders als der Vorgänger, bei dem man oftmals nicht so recht wusste, wo eigentlich oben und unten ist und wie diese ganzen Teile eigentlich zusammenpassen sollen, präsentiert sich „Era Extraña“ wesentlich homogener. Die Songs haben klare Strukturen und verfolgen ein genaues Ziel, anstatt irgendwo ins Nichts abzudriften. So geht Pop und die Betonung liegt auf „Pop“. Wer auch immer Neon Indian mal in die Chillwave-Ecke geworfen hat, muss nun schleunigst zurückrudern. Höchstens das lässig vor sich hingroovende „Fallout“ hat damit noch was zu tun. Der Rest gibt sich wesentlich schwungvoller und gibt mit der Ausnahme eines The-Jesus-And-Mary-Chain-Ausflugs („The Blindside Kiss“) den typischen Electro-Pop-Sound in 2011 wieder.

Mit an Bord ist auch ein alles überstrahlender und unglaublich dicht produzierter Hit, der MGMTs „Kids“ schneller vergessen machen wird, als diese es sich selbst wünschen könnten. „Suns Irrupt“ ist, wenn man so will, der perfekte Song. Intelligent arrangiert, abwechslungsreich und mit einer DER Melodien gesegnet. Dieser Ausnahmestatus ist allerdings auch so etwas wie das Verhängnis einiger anderer Songs. Klar, mithalten können und müssen sie gar nicht, aber der Qualitätsunterschied ist angesichts von Stücken wie „Hex Girlfriend“ (zu einfallslos) oder „Arcade Blues“ (zu cheesy) schon enorm.

Glücklicherweise hält aber auch eine Reihe von Songs die Messlatte wieder hoch. Die Single „Polish Girl“ oder das Synthie-Feuerwerk „Halogen (I Could Be A Shadow)“ seien nur mal als Beispiel genannt, so dass Neon Indian mit „Era Extraña“ auf jeden Fall ein guter Wurf geglückt ist. Und wenn er schon nicht den Ruhm seines Vaters in der Heimat erben wird, dann zumindest die Anerkennung an vielen anderen schönen Flecken der Erde. Das ist ihm spätestens hiermit schon gelungen.

Benjamin Köhler

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