Rezension
Mystery Jets
Twenty One
Highlights: Young Love // Flakes // Half In Love With Elisabeth
Genre: Indie-Pop
Sounds Like: The Killers // Rooney // The Wombats
VÖ: 18.04.2008
"Die sehen ja aus wie eine Schulband mit ihrem Lehrer!"
Einer der ersten Kommentare, die ich über die Mystery Jets hörte, war genau dieser O-Ton von einem Support-Gig der Band auf der Arctic-Monkeys-Tour 2006. Ein paar junge Leute und ein älterer, schon ergrauter Herr an der Gitarre. Nun, die vier Jungs sind zwar tatsächlich Schulfreunde, begleitet wurden sie allerdings vom Vater des Sängers Blaine Harrison. Und auch wenn Henry Harrison die Liveshows mittlerweile meidet, arbeitet er weiterhin mit der Gruppe im Studio. So auch an den Aufnahmen zur zweiten Platte "Twenty One". Und beim Hören fühlt man sich gleich wieder wie 21. Oder noch jünger.
"Flakes" ist der perfekte Prom-Night-Song. Eben jener, zu dem alle tanzen, alle verschüchtert die Nähe des anderen Geschlechts suchen und der Grundstein für die ersten Küsse gelegt wird. Kitschig? Etwas. Verträumt? Auf jeden Fall. Man kann es sich beim Hören richtig gut vorstellen. Im Vordergrund tänzelnde Teenies, auf der Bühne in schwarzen Anzügen mit weißen Hemden die Mystery Jets, mit leicht gelangweiltem Gesichtsausdruck. Doch sie sind viel mehr als eine Showband, die auf zweitklassigen Veranstaltungen spielt. Dafür steht besonders der ganz große Hit dieser Platte: "Young Love". Zusammen mit der Londoner Folksängerin Laura Marling aufgenommen, ist er der Ohrwurmnachfolger von Peter, Bjorn and Johns "Young Folks". Egal, ob sie da jetzt wirklich Eigenkreativität gezeigt haben oder bloß auf den trendigen Zug aufgesprungen sind, das ist einer der schönsten Songs des noch recht jungen Jahres.
Insgesamt haben die Mystery Jets seit dem Debüt "Making Dens" einen Wandel durchgemacht. War das erste Album noch wesentlich progressiver, ist "Twenty One" tanzbarer und poppiger geraten, ohne allzu britisch zu klingen, auch wenn sie ihre Herkunft natürlich nicht verleugnen können. Dennoch klingt manches mehr nach den Killers oder nach Rooney, als beispielsweise nach den Kooks. Leider ist nicht jeder Song gelungen, vielleicht liegt das auch an einer gewissen Ermüdung durch den allgegenwärtigen Indiepop. Vom Gefühl her geht dem Album gegen Ende ein bisschen die Luft aus. Aber auch das kann man positiv betrachten, wenn man sich noch einmal den Titel vergegenwärtigt. Die ersten Jugendjahre sind meist unbeschwerter und aufregender als die letzten. Dann beginnen der Ernst des Lebens und die ersten Schwierigkeiten. Plötzlich ist man 21 und muss seinen Weg alleine gehen. Und wenn es nur der Weg auf die Bühne ist - ohne Papa an der Gitarre.
Diskutieren
Lesen
Rezension zu "Serotonin" (2010)
Rezension zu "Making Dens" (2006)
Weitersagen
Finden
Bye-Bye
Am 5. Januar 2021 haben wir éclat eingestellt. Mehr Infos hierzu gibt es auf unserer Startseite!





