Rezension

My Morning Jacket

Circuital


Highlights: Victory Dance // Outta My System // You Wanna Freak Out
Genre: Folkrock
Sounds Like: Monsters Of Folk // The Low Anthem // The Felice Brothers // She & Him

VÖ: 03.06.2011

Irgendwie hat man bei My Morning Jacket immer den Eindruck, dass die Band noch gar nicht so lange dabei ist – als ob sie zeitgleich mit der Neo-Folk-Welle aufgetaucht wäre und nun eben im Kampf der Bärte wie viele andere auch mitmischt. Fakt ist aber, dass die Jungs um Frontmann Jim Jones schon Neil Young zitiert haben, als bei den Fleet Foxes, Band Of Horses oder Midlake noch nicht mal der erste Flaum auf den Wangen spross.

My Morning Jacket sind Veteranen, die es sich mit den letzten beiden Alben dann auch mal erlauben konnten, eine ungezügelte Experimentierfreude an den Tag zu legen, ohne dabei gleich bei den Anhängern komplett baden zu gehen. In dem einen Fall („Z“) mit besserem, in dem anderen („Evil Urges“) mit schlechterem Ergebnis. Jeder muss sich halt mal austoben und dann ist es auch irgendwann wieder gut. Dies hat sich wahrscheinlich auch die Band gedacht, denn „Circuital“ präsentiert sich fast schon überraschend zugänglich. Ja, sogar so reduziert und von allem überflüssigen Ballast befreit, dass man beinahe schon von „Easy Listening“ sprechen könnte.

Ob hier die Teilnahme von Jim Jones bei den Monsters Of Folk großen Einfluss hatte? Man muss es fast annehmen, denn der geradezu heitere Folkrock mit seinem Hauch von Psychedelic erinnert auf „Circuital“ nur allzu deutlich an die Platte der Supergroup um Conor Oberst. Vorbei die Zeiten, in denen man sich durch minutenlangen Freakfolk quälen musste, um am Ende dennoch mit leeren Händen dazustehen. Die Songs sind klar strukturiert, oftmals sogar unverschämt konservativ arrangiert. Wer schon immer mal eine genaue Anleitung zum Folksongschreiben haben wollte, wird sie hier zweifellos finden.

Dass wirklich alle Ecken und Kanten ausgemerzt wurden, wird hier und da aber auch zum Verhängnis der Platte, denn irgendwo braucht man sie dann doch. Und sei es nur, um sich daran festzuhalten. Denn so rinnen die meisten Songs durchs Ohr, wie warmes Wasser durch die Hände. Zwar angenehm, aber nichts davon bleibt dauerhaft zurück. Zwischendurch kann aber auch das mal genau das Richtige sein.

Benjamin Köhler

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