Rezension

Mos Def

The Ecstatic


Highlights: Supermagic // Quiet Dog // Life In MArvellous Times
Genre: HipHop // Rap
Sounds Like: A Tribe Called Quest // Talib Kweli // Madlib

VÖ: 21.08.2009

Es ist eigentlich ebenso dreist wie gewagt, mit einem Track wie „Supermagic“ ein solches Album einzuleiten. Orientalische Bollywood-Sounds, ein schleppender Beat und dann legt er los, Mr. Mos Def. Es scheint, als hätte er nach all den Jahren den Flow wiedergefunden. Man hatte ihn ja bereits als ewiges Raptalent abgeschrieben, dem Filmgeschäft zugeschoben und war mit seiner letzten Platte „True Magic“ vor drei Jahren eigentlich nur bestätigt worden. Dabei hatte alles so gut angefangen. Als er vor zehn Jahren sein Solodebüt „Black On Both Sides“ aufnahm und wenig später mit dem begnadeten Talib Kweli als Duo „Black Star“ zusammenschraubte, schien er schon in die Tradition der großen Raplegenden wie A Tribe Called Quest zu rutschen. Dann konzentrierte er sich aber auf seine Filmkarriere und wurde zu einem beachteten Leinwanddarsteller, der in Filmen wie „Italian Job“, „16 Blocks“ oder „Abgedreht“ eine hervorragende Figur machte. Außerdem war er gesellschaftlich hochaktiv, gerade in der Zeit nach 9/11 war er unterwegs, die Ehre der Muslime – er selbst trat mit 19 Jahren dem Islam bei – in den Staaten wiederherzustellen. Das alles ist wichtig für die Rezeption von „The Ecstatic“. Denn gerade nach dem letztjährigen Erfolg von Michel Gondrys „Abgedreht“ empfahl sich Mos Def an der Seite Jack Blacks auch den letzten als gestandener Schauspieler. Und dann kommt ein Jahr später, zehn Jahre nach dem hochgeschätzten Solo-Debüt, plötzlich eine Platte raus, die uns den Namen Mos Def wieder mit Rap verbinden lässt.

„The Ecstatic“ sprüht nur so vor Ideen. Orientalische Elemente schmücken fast jeden der 16 Tracks, die in jeder Sekunde den Spagat zwischen Rückblick und Ausblick schaffen und dennoch fest in der Gegenwart verankert sind. Die Bandbreite dieses Albums wird im Vergleich der beiden aufeinander folgenden, bereits vor Veröffentlichung bekannt gewordenen „Quiet Dog“ und „Life In Marvellous Times“ deutlich. Ersterer lebt von seinem Minimalismus, der, nur unterstützt von unruhigen Drumbeats und einem spärlichen Bass, die Rapskills Mos Defs noch einmal in Richtung Zenit treibt. Das darauf anschließende „Life In Marvellous Times“ ist ein Meisterwerk an pompöser Überproduktion, wie man es heute nur allzu oft hört und hat dennoch das Potenzial, wenn auch auf einer ganz anderen Ebene, mit dem herausragenden „Quiet Dog“ mitzuhalten.

Alleine diese beiden Tracks hätten eine Veröffentlichung gerechtfertigt. Doch das ist noch lange nicht alles, was das von u.a. Madlib, Oh No und Mr. Flash produzierte Album zu bieten hat. Neben dem angesprochenen Intro sind es vor allem das in orientalischen Klangwelten beheimatete „The Embassy“, das unter Dub-Einfluss aufblühende „Workers Comp“ und das an alte Zeiten gemahnende „History“, in dem Mos Def von niemand geringerem als Talib Kweli am Mikro unterstützt wird.

Es ist schön zu sehen, dass der geborene Dante Terrell Smith wieder neue/alte Wege gefunden hat, seiner Stimme Ausdruck zu verleihen. Großartig ist jedoch für uns, dass dabei ein Album heraus gekommen ist, welches das Hip-Hop-Jahr 2009 in jeder Hinsicht bereichert. Und jetzt wissen wenigstens auch die Jüngeren unter uns, dass Mos Def nicht nur „dieser Schauspieler“ ist.

Andreas Peters

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