Rezension

Moneybrother

Mount Pleasure


Highlights: Down At The R // Just Another Summer // It Might As Well Be Now
Genre: Soul // Classic Rock
Sounds Like: Marvin Gaye // The Hold Steady // Elvis Costello

VÖ: 31.08.2007

Männer, passt auf eure Frauen auf! Väter, sperrt eure Töchter ein und, falls ihr Söhne habt, die eine Phase der sexuellen Unentschlossenheit durchgehen, sperrt sie am Besten gleich dazu, denn: Moneybrother alias Anders Wendlin, der weißeste aller schwarzen Sexgötter, ist wieder in der Stadt, und mitgebracht hat er sein neues Album "Mount Pleasure". Und damit nicht genug: Passend zum Erscheinungsdatum, das zumindest rein rechnerisch noch in den Sommer fällt, legt der James Brown Schwedens sein bisher peppigstes und aufgedrehtestes Werk vor.

Bereits der Opener "Guess Who's Gonna Get Some Tonight" zeigt an, in welche Richtung die Reise geht. "Oh, how I long for the nights" schmachtet Wendlin und wird dazu von ekstatischem Pianospiel begleitet, das durch seine Aufdringlichkeit sowohl an Klassiker des Rock wie Bruce Springsteen als auch an neuere Genre-Vertreter wie The Hold Steady erinnert. Auch im darauffolgenden "Down At The R" gibt das Klavier zusammen mit einem Moneybrother-typischen Saxophon die Richtung vor; erneut wird dem Hedonismus gefrönt: "We got some money and we got some girls, we got a thing or two going in this world" - was macht das Leben lebenswerter als ein Kumpelabend in der Stammkneipe? Auch die Vorabsingle "Just Another Summer" ist ähnlich instrumentiert, wenn auch textlich deutlich tiefgründiger: Wendlin besingt hier eine vergangene Liebschaft und die Erfahrung, dass jegliche Form von jugendlichem Verliebtsein später stets nur noch halb so wichtig erscheint.

Und da haben wir’s ja wieder: Unser aller Moneybernd (© Sarah Kuttner) wäre nicht unser aller Moneybernd, wenn er ausschließlich Fetenhits über Parties und Pimpern auf dem neuen Album versammelt hätte. Denn obwohl der starke Soul-Einschlag der Vorgängeralben „To Die Alone“ und „Blood Panic“ nun zugunsten des klassischen Rock’n Roll etwas zurücktreten muss, kommt er in Nummern wie „It Will Not Happen Here“ oder „No, Damn! I Don’t Love You“ umso deutlicher zum Vorschein. Auch das Schnulzen hat der Robbie Williams des Indie nicht verlernt: Die reinrassige Ballade „It Might As Well Be Now“ singt der Moneybrother im Duett mit der norwegischen Sängerin Ane Brun, deren Stimme an Joanna Newsom erinnert und sich nur auf den ersten Eindruck mit der Wendlins zu beißen scheint.

Im Großen und Ganzen hat Moneybrother – verdammt, mir gehen die Umschreibungen aus! – also wieder alles richtig gemacht: Die flotten Kracher, zu denen man den Chicks auf der Tanzfläche imponieren kann sowie die ruhigeren Stücke, zu denen man selbige Chicks dann zu Hause befummeln kann. Offen bleibt bloß die Frage, wieso das abschließende „Magic Moments“ nur als Bonustrack auf die deutsche Version des Albums gepackt wurde: Dieses zweite Duett der Platte besticht nicht nur durch eine Melodie, die so eingängig und doch gut ist, dass man das Gefühl hat, sie schon seit seiner Kindheit zu kennen, sondern auch durch die Duettpartnerin Judith Holofernes, die für ihre Verhältnisse ungeheuer lasziv klingt. Zum Schluss also auch was zum Träumen für die Kerle. Mehr solcher Kollaborationen für die Herren der Schöpfung bitte, lieber Herr Wendlin, dann nehmen wir Jungs dir vielleicht auch nicht mehr übel, dass unsere Indie-Freundinnen beim Sex wahrscheinlich immer nur an dich denken. Vielleicht.

Jan Martens

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