Rezension

Money

The Shadow Of Heaven


Highlights: So Long // Bluebell Fields // Hold Me Forever
Genre: Indie
Sounds Like: Wu Lyf // Wild Beasts // Arcade Fire

VÖ: 23.08.2013

M O N E Y, genau so schreibt es das Corporate Design der Band aus Manchester vor. Wenn schon, denn schon – kleine Brötchen können ja die anderen backen. So unverhohlen direkt, auch auf emotionaler Ebene, wird musikalisch auf dem jetzt erscheinenden Erstling „The Shadow Of Heaven“ vorgegangen.

Doch irgendwie tut das auch gut. Die Platte mag einen packen oder auch nicht, doch wenn sie es tut, dann richtig. Jamie Lees Gesang ist so wehleidig und unperfekt, dass man ihn dafür nur verachten oder lieben kann. „Goodnight London“ widmet er „for the dreamers“. Ganze sieben Minuten lang Solo-Gesang zu Klavierklängen – schief und trotzdem fesselnd.

Ihre eigentliche Stärke schöpfen Money aber erst im Zusammenspiel der ganzen Band aus. Mit „Bluebell Fields“ greifen sie zurück auf die vielleicht letzte große Hochphase des Brit-Pop. Das Lied atmet die Atmosphäre der frühen Coldplay oder der „Urban Hymns“-Verve und lässt einen mit der Frage zurück, wo sich diese wunderbare Musik all die Jahre versteckt hat. Geisterhaft schweben Assoziationen durch den Raum und spätestens bei dem Stone-Roses-esken Gitarrenspiel erschaudert man ein wenig. Lange ist es her, dass ein Song so zwingend durch reine Schönheit zu begeistern vermochte.

Musikalische Gipfelbesteigungen finden sich auch in dem Opener„So Long“, der für die Album-Version leider etwas gekürzt wurde. Kirchlich anmutender Gesang eröffnet die Platte, ehe man im Refrain verkündet: „It’s a shame, god is dead“. Episch und gleichzeitig packend komponiert. Ansteckend wirkt es, wie frei und leicht ein „Hold me forever“ geschmettert wird. „Cold Water“ wirkt, getragen von seinem orchestralen Erscheinungsbild, dagegen wie Marschmusik in anderen Sphären.

Man wünscht sich mehr dieser magischen Money-Momente. Zugegebenermaßen finden sich im Vergleich zu diesem Zauber während der 50 Minuten Spielzeit hin und wieder auch lahmere Taschenspielertricks, die nicht ganz zünden wollen. Das kostet die Band eine noch bessere Bewertung, ist aber schnell vergessen angesichts der Wiederbelebungsversuche eines lange Zeit verstummten Musikstils, der – man glaubt es kaum – langsam wieder zu atmen beginnt.

Jonatan Biskamp

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Video zu "Hold Me Forever"
Video zu "Bluebell Fields"

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