Rezension

Metric

Fantasies


Highlights: Help, I'm Alive // Sick Muse // Twilight Galaxy
Genre: Elektro-Pop
Sounds Like: Blonde Redhead // Yeah Yeah Yeahs // Lykke-Li

VÖ: 12.06.2009

Wer im Heimatland größere Hallen füllt, einen Song mit der eigenen Band in international erfolgreichen Fernsehshows wie “Grey's Anatomy” und “CSI: Miami” platzieren kann, mit einem anderen Song auch die Clubs eines anderen Kontinents zur Zappelbude mutieren lässt und nebenbei noch in einem anderen bekannten Künstlerkollektiv mitwirkt, der hat es geschafft. Widerspruch? Irgendwer? Ja, ich. Denn im Falle von Emily Haines und ihrer Band Metric treffen all diese Punkte zu, es ist nur so, dass sie in Europa kaum jemand kennt. Trotz der angesprochenen Hits “Monster Hospital” (inklusive MSTRKRFT-Remix) und “Dead Disco” ist die Band, deren musikalischer Input sich seit 1998 auf vier Alben von New-Wave-Pop hin zu (Synthie-)Rock in allen erdenklichen Facetten erweitert hat, über einen Insiderstatus nicht hinaus gewachsen. In ihrer Heimat Kanada werden sie dagegen gefeiert.

Mit "Fantasies" nehmen sie nun erneut Anlauf und machen das routiniert und ohne Ausrutscher. Die mittlerweile schon zu kleiner Bekanntheit gereifte Single “Help, I'm Alive” drückt nur so nach vorne. Während die Elektronik wabert, das Schlagzeug stoisch nach vorne presst, singt Haines von ihrem Herz, das wie ein Hammer klopft, von unendlicher Lebendigkeit. Das Gefühl überträgt sich über die schwirrenden Gitarrenlicks auf den Tanzboden und sorgt für Glückseligkeit im Indieherzen. “Sick Muse” übertrifft den Opener fast noch in Sachen Wiedererkennungswert und fräst sich gerade durch die Strokes-Gitarre in das musikalische Gedächtnis. Seit “Room On Fire” hat kaum eine Gitarre so wunderbar gesungen wie hier. Es geht fast ausnahmslos so weiter. Lediglich das wunderbar unterkühlte “Twilight Galaxy”, das von E-Drums getragen und von Synthies ans Ziel gebracht wird, nimmt etwas Tempo raus. Dann starten Metric nochmal durch und Haines beweist die Vielfalt ihres Stimmorgans, das zu jedem härteren Zerr-Riff passen will, jeder Tanzbarkeit noch die Woge der Begeisterung aufsetzt.

Im Endeffekt ist es fast schon beängstigend, mit welcher Souveränität dieses Album aufgenommen wurde – ohne richtigen Ausfall, dafür mit einigen Höhepunkten. Da ist es fast schon zu spät für einen ruhigen und behutsamen Aufstieg vom Insider-Tipp zum Next-Big-Thing.

Andreas Peters

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