Rezension

Men Among Animals

Bad Times, All Gone


Highlights: Slow Years // Amazing Ronnie // On My Boat
Genre: Indie
Sounds Like: Friska Viljor // Architecture in Helsinki // The Flaming Lips

VÖ: 07.09.2007

Men Among Animals haben sich den unpassendsten Bandnamen aller Zeiten gewählt. So und nicht anders muss diese Rezension beginnen. Klar, Men Among Animals, das klingt gut, ist nicht zu lang und nicht zu kurz und beinhaltet noch nicht einmal den Artikel des Bösen "the". Auch die Geschichte hinter dem Bandnamen ist zugegebenermaßen recht hübsch: Vier Freunde, Wein, eine Diskussion über Gott und die Welt. Der Schluss: Die Menschheit benimmt sich wie Tiere, und zwar deshalb, weil sie viel zu viel blöde Musik hört. Die Lösung: Eigene Band gründen, die andere und bessere Musik macht, sozusagen die Menschen unter den Tieren sein. Inadäquat wird der Bandname nur dadurch, dass die Musik der Band, die basierend auf dieser Schnaps- beziehungsweise Weinidee dann auch wirklich gegründet wurde, so einige Attribute aufweist, die auch manchen Tieren wie Katzenkindern oder Hundewelpen zugeschrieben werden können: Sie ist süß, lustig anzuhören (bzw anzuschauen, im Falle der Tiere) und irgendwie knuffig.

Die Herrschaften von Men Among Animals sind nämlich Dänen, und dass skandinavische Bands bisweilen ziemlich freakig und dennoch poppig sein können, ist seit Friska Viljor bekannt; wer schummeln will, könnte hier auch die Australier von Architecture in Helsinki anführen, die zwar keine Bandmitglieder, aber wenigstens ihren Namen aus Finnland importiert haben. "Bad Times, All Gone" schlägt in die selbe Kerbe, erwähnte Freakigkeit zeigt sich schon in den Themen, die die Dänen in den 12 Stücken ihres Albums behandeln. Schmalzige Liebesschwüre können sich alle ausdenken, stattdessen wird beispielsweise "A Story About Lions, Trees And Bridges" erzählt: When the bridges fall down and the trees hit the ground, I'll come save you - so muss heutzutage ein Treuegelübde klingen! Auch, dass in "Zoo Of Montreal" ein kanadischer Tiergarten thematisiert wird, spricht Bände und gibt dem Bandnamen "Men Among Animals" seine Richtigkeit zurück.

Doch wenn eine Band der Musikwelt dadurch ein Schnippchen schlagen will, dass sie alles so macht, wie man es aus Mainstreamsicht tunlichst nicht machen sollte, muss sie nicht nur dubiose Dinge besingen, sondern auch einen Sänger in ihren Reihen haben, der es bei DSDS nicht mal mit vierstelligen Bestechungssummen in den Recall schaffen würde. Und folglich ist Lasse Nielsen ein Frontmann, der nicht nur einen Namen hat, der dafür sorgen könnte, dass Unvorsichtige Haus und Hof an die Wortspielkasse des Helga-Rockt-Forums zu verlieren; sondern dessen Stimmorgan ihn geradezu dafür prädestiniert, in einer Band zu singen, die einfach mal anders sein will. Man stelle sich vor, die Schwestern von CocoRosie seien in Personalunion im Körper eines Jungen geboren worden, der dann während der Pubertät von einem radioaktiven Kermit gebissen wurde. Klingt zunächst gewöhnungsbedürftig, hat jedoch auf jeden Fall eine Menge Wiedererkennungswert und besitzt durchaus Charme, selbst sobald Nielsens Stimme mehr oder weniger auf sich alleine gestellt ist, wie in den zwei Akustikballaden "Amazing Ronnie" und "I'm An Architect".

Jene zwei Stücke stehen in ihrer Reduziertheit auf dem Album übrigens ziemlich isoliert da. Meist scheint nämlich ganz im Gegenteil die komplette heimische Instrumentenkiste geplündert worden zu sein, überall blitzen mal Querflöten, mal Streicher, mal ein Glockenspiel, sogar mal eine Säge durch. Wie das im Endeffekt alles klingt? Naja, zu sagen, dass solche Musik noch nie gemacht wurde, wäre im Hinblick auf die oben genannten (pseudo-)skandinavischen Bands übertrieben. Unterhaltsam und quirlig ist "Bad Times, All Gone" dennoch, besonders wenn wie in "Slow Years" oder "On My Boat" das Tempo angezogen wird. Oder, wie sie in letzterem selber sagen: Bouncing like a kangaroo, nothing I would rather do. Da wollen sie also doch wieder Tiere sein. Ich hab's doch gleich gesagt, mit dem Bandnamen.

Jan Martens

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