Rezension

Memory Tapes

Seek Magic


Highlights: Bicycle // Stop Talking // Pink Stones
Genre: Indiepop // Elektropop // Shoegaze
Sounds Like: Caribou // Hot Chip // Telefon Tel Aviv // Cocteau Twins

VÖ: 14.05.2010

Keine Frage. Als Familienvater ist es sinnvoll, ein Hobby auszuüben. Der eine bastelt sich im Keller seiner Reihenhaushälfte mit stoischer Geduld seine Modelleisenbahnlandschaft zusammen, Monat für Monat etwas mehr. Hier ein Bäumchen, da eine Bäckerei. Der andere verbringt die Sonntage auf den Dorfbolzplätzen dieser Nation, um in Kreisliga A-D den Fußballgott zu geben. Wieder andere verwenden ihre Freizeit auf musikalisches Engagement, das im besten Falle in einer gut gebuchten Coverkapelle eingesetzt wird. Nicht aber Davye Hawke: Der Familienvater aus New Jersey verbringt seine Nächte damit, sein eigenes kleines Klanguniversum an seinem Laptop zusammenzubauen. Mit Erfolg.

Die Blogosphäre feierte Hawke unter diversen Alias schon mehrmals. Bei MTV Brasil landete er die "mp3 of the day" und jetzt hat er acht Songs zum ersten Album seines Projektes Memory Tapes zusammengefasst. Wenn man sich Seek Magic so anhört, bekommt man einen ganz groben Überblick über musikalische Vorlieben Hawkes. Da hätten wir Synthie-Pop à la Depeche Mode und Shoegaze à la Echo & The Bunnymen oder Cocteau Twin, der sich mit einem synthetischen Boom-Clap-Boom-Boom-Clap zu etwas völlig Neuem zusammensetzt. Dabei setzen sich die acht Songs irgendwo in die Lücke zwischen James Yuill, Hot Chip und Caribou. In der Indie-Disko sind die Tracks – abgesehen vom synthiegeladenen "Stop Talking" (man hört hier unweigerlich Depeche Modes "Fragile Tension" heraus) – eher schwerer vorstellbar. Auch für den Blogger-Liebling "Bicycle" gilt das, obschon man dann die Frage stellen muss: Wo soll ich das denn dann hören? Für den Dancefloor fehlen die ganz großen Skizzen, für das heimische Wohnzimmer ist Seek Magic insgesamt zu aufgeregt.

Damit dürfte klar sein, woran es dem Debüt von Memory Tapes mangelt: der klaren Verwendungsvorgabe. So "scheitert" ein an sich gutes Album daran, es sich zwischen zwei Stühlen zu gemütlich gemacht zu haben.

Andreas Peters

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