Rezension

Marteria

Roswell


Highlights: Aliens // Blue Marlin // Tauchstation
Genre: Deutschrap
Sounds Like: Marsimoto // Prinz Pi // Casper // Maeckes // Motrip

VÖ: 26.05.2017

Auf Marteria kann man sich einigen. Es wird in der hiesigen Raplandschaft wohl schwer sein, jemanden zu finden, der den gebürtigen Rostocker oder seine Musik nicht abkann. Der grundsympathische Marten Laciny polarisiert nicht – und das im besten Sinne. Mit "Roswell" veröffentlicht Marten sein viertes Album als Marteria und es ist in gewisser Weise ein ganz besonderes.

Auf den ersten Blick wird das zwar nicht deutlich, da "Roswell" die musikalische Reise seiner Vorgänger fortführt. The Krauts, Marterias Haus- und Hofproduzenten, liefern wie gewohnt ihre basslastigen, verzerrten Signature-Beatpakete ab und Marteria inszeniert sich erneut als Meister des Wortspiels. Doch "Roswell" unterscheidet sich in einem ganz entscheidenden Punkt von seinen Vorgängern: Es ist Marterias persönlichstes Album. Und das hat einen Grund.

2015 wäre Marteria beinahe an Nierenversagen gestorben. Der exzessive Lifestyle, der unter anderem in der Hitsingle "Lila Wolken" mündete, hat seinen Tribut gezollt. Also machte das Ex-Modell und der Ex-Fast-Fußballprofi, was er bisher so oft in seinem Leben getan hat: einen klaren Cut. Keine Drogen und kein Alkohol mehr, dafür Raubfischangeln und Zeit, sich über ein paar Dinge Gedanken zu machen.

Und diese Gedanken finden sich in "Roswell" wieder. Von Rostock bis Roswell, von Endboss zur Endzeit rappt Marteria im Eröffnungstrack und läutet, begleitet von dunklen, martialischen Beats die Reise ein. Es geht um seine jungen Jahre als Model in New York und die Einsamkeit abseits des Glamours ("Skyline Mit Zwei Türmen"), um die große Sinnlosigkeit und Oberflächlichkeit des Rauschzustands in "Tauchstation", das in gewisser Weise den Gegenpart zu "Lila Wolken" darstellt. Doch Marteria ist auch so politisch wie nie zuvor. In "Aliens", dessen Refrain die Stimme von Beatsteaks-Sänger Arnim geschenkt bekommt, spricht er vom Gefühl des Fremdseins und den damit verbundenen positiven Einflüssen, die unterschiedliche Kulturen auf unsere Gesellschaft haben, um schließlich alles auf eine Karte zu setzen und sein aufrührerisches Protestwerk "Links" zusammenzuschrauben. "Blue Marlin" ist eine Ode an Hemingways berühmte Kurzgeschichte "Der Alte Mann Und Das Meer".

"Roswell" ist ein seltsam ungewohntes Album. Es ist intim und düster und damit eigentlich genau so, wie ein Album 2017 klingen muss. Hier und da geht das auf Kosten der ganz großen Hits. Schlimm ist das nicht.

Andreas Peters

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Video zur Single "Aliens"

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