Rezension

Mark Lanegan & Duke Garwood

With Animals


Highlights: Save Me // Lonesome Infidel // Ghost Stories
Genre: Blues // Alternative Rock // Experimental
Sounds Like: Grinderman // Tom Waits

VÖ: 24.08.2018

2013 veröffentlichten Mark Lanegan und Duke Garwood ihr erstes gemeinsames Album und machten Freunde von düster-experimentellem Bluesrock sehr glücklich: Auf „Black Pudding“ fügten sich Garwoods Flamenco-inspiriertes Gitarrenspiel und Lanegans unnachahmlich knurrige Stimme in minimalistischen Arrangements zusammen, als seien sie füreinander gemacht. Sind sie vermutlich auch: Gut fünf Jahre später steht mit „With Animals“ das zweite Kollabo-Album an und an der hervorragenden Chemie zwischen der US-amerikanischen Grunge-Ikone und dem britischen Multiinstrumentalisten hat sich nichts geändert. Am Sound schon – zumindest ein bisschen.

Wo „Black Pudding“ häufig auf die schlichte Kombination Akustikgitarre-plus-Gesang setzte, stellt sich „With Animals“ schon im Opener „Save Me“ breiter auf: Lanegan knurrt mit sich selbst im Chor, ein stoischer Drumcomputer pulsiert im Hintergrund, Gitarren und Mellotrone lassen arabisch anmutende Skalen durch Echogeräte wabern. „Feast To Famine“ breitet als Grundlage erst einmal einen zähen Teppich aus bassigen, vor lauter Verzerrung kaum identifizierbaren Gitarren aus. Und „Lonesome Infidel“ ist rein melodisch gesehen in seiner einprägsamen Simplizität fast ein Kinderlied – gäbe es da nicht diese bedrohlich schwelenden Orgelsounds als Störgeräusch, das den Gesang ständig zu ertränken droht.

Der auffallend größeren Noise-Komponente von „With Animals“ ist wohl zu verdanken, dass man sich immer wieder an Nick Caves ebenfalls ziemlich lärmiges Bad-Seeds-Nebenprojekt Grinderman erinnert fühlt. Allerdings sind Lanegan und Garwood im Vergleich deutlich weniger garagenrockig unterwegs. Bildlich gesprochen: Wo Cave und Co. über die zertrümmerte Bühne toben, nehmen Lanegan und Garwood auf lange geräucherten Barhockern Platz und pflegen eine elegisch-brütende Langsamkeit, der das Album auch seine besten Momente – zum Beispiel das verträumte „Ghost Stories“ oder den Trauermarsch „Scarlett“ – verdankt.

Diese Unaufgeregtheit ist zugleich größte Stärke und mögliche Schwäche von „With Animals“: Hier gibt es wenige Songs, die explizit und lautstark Aufmerksamkeit einfordern, teils ähneln sich die Arrangements – zumindest beim oberflächlichen Hinhören. Nur, wer jede von Garwoods pulsierenden Gitarrenlinien mitfühlt, sich in jede aufragende Klangwand wirft und Lanegans Introspektionen in jeden lyrischen Abgrund folgt, spürt die Tiefe, die „With Animals“ zu bieten hat. Dann aber richtig.

David Albus

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