Rezension

Mark Kozelek & Desertshore

Mark Kozelek & Desertshore


Highlights: Hey You Bastards I'm Still Here // Tavori Cloud // Sometimes I Can't Stop // Brothers
Genre: Singer/Songwriter // Folk
Sounds Like: Sun Kil Moon // Red House Painters // Sophia // American Music Club

VÖ: 20.08.2013 (Import)

Was kann man über Mark Kozelek eigentlich noch sagen, was nicht schon gesagt wurde? Seit über 20 Jahren prägt der Mann nun schon die alternative Musiklandschaft. Zuerst mit den Red House Painters ein Genre mitbegründet, danach solo und als Sun Kil Moon immer wieder großartige Singer/Songwriter-Alben veröffentlicht. Und dann noch die ganzen anderen Projekte... Allein 2013 bringt der mittlerweile 46jährige vier (!) Platten raus. Die Kollaboration mit Desertshore, der Band um seinen alten Weggefährten Phil Carney, ist eine davon und verdammt noch mal, Mark Kozelek hat es immer noch drauf. Gestatten: sein bestes Werk seit „Ghosts Of The Great Highway“.

Musikalische Überraschungen gibt es auf „Mark Kozelek & Desertshore“ dabei keine. Carney, Gitarrist aus Red-House-Painters-Zeiten, weiß natürlich, was Kozelek braucht und mit welchem Sound er besonders gut aussieht. Eine sparsame Instrumentierung, in der das Gitarren-Picking heraussticht, reicht hierfür schon aus, auch wenn auf dem Album durchaus mehr Wumms vorhanden ist als bei Kozeleks Alleingängen. Nein, experimentierfreudig ist was anderes. Aber wer erwartet das schon? Bei dem Songwriter aus Ohio kommt es auf die Texte an und die sind über jeden Zweifel erhaben.

Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen ist Kozelek kein Poet, dessen Lyrics viel Spielraum für Interpretationen lassen. Er ist in erster Linie Geschichtenerzähler und die Stories auf „Mark Kozelek & Desertshore“ sind nicht nur herzzerreißend, unterhaltsam und dramatisch, sondern scheinen auch direkt aus dem eigenen Tagebuch zu stammen. Das besondere Verhältnis zum Film „Papillon“, der schmerzhafte Verlust der eigenen Katze, die tiefe Abneigung gegen Eric Clapton... Man erfährt Details aus dem Leben eines Musikers, der viel erlebt und noch mehr zu sagen hat. So klingt eine Audiobiographie.

Dabei ragt ein Song über allem heraus. „Brothers“, ein Stück über Kozeleks Vater und dessen verstorbene Brüder macht sprachlos und es wäre unangemessen, hierzu etwas zu schreiben, so dass Mark Kozelek den Job an dieser Stelle selbst übernimmt. Einmal tief durchgeatmet und ein herzliches Dankeschön an einen der tollsten Songwriter unserer Zeit. Nicht nur wegen dieses Albums, aber gerade dafür.

Benjamin Köhler

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