Rezension

Marilyn Manson

Pale Emperor


Highlights: Deep Six // Birds Of Hell Awaiting // Slave Only Dreams To Be King
Genre: Gothicrock
Sounds Like: Peter Murphy // Nine Inch Nails // Sisters Of Mercy

VÖ: 16.01.2015

Als Schockrocker wurde er berühmt berüchtigt, mittlerweile wird Marilyn Manson wohl eher als der etwas komische Verwandte mit den merkwürdigen Stories in der Musikwelt angesehen. Ehemals Sinnbild (gerade in den USA) allen Übels der Welt, konnte man ihn vor kurzem als Juror einer Castingshow in Österreich sehen. Für manche mag das ein tiefer Fall sein, ganz in den Hintergrund gerät dabei allerdings die Musik, die er veröffentlicht. Nun ist es mal wieder Zeit, „The Pale Emperor“ heißt das neueste musikalische Werk und soll an alte Zeiten und Erfolge anknüpfen.

Zumindest eines davon stimmt jedoch nicht – der Marilyn Manson 2015 ist auch musikalisch nicht mehr der Marilyn Manson 1995. Dennoch ist er nach wie vor in der Lage, auf hohem Niveau neue Stücke zu schreiben. Statt lärmendem, dynamischem Industrial und Metal zeigt sich „The Pale Emperor“ von der trockenen, Gothicrock-Seite. Der Großteil des Albums – bis auf das schnelle, harte „Deep Six“ – schleppt sich von Minute zu Minute, Manson ächzt, Manson krächzt, beklagt noch immer als Antiheld den Zustand der Welt und seiner Auswüchse. Erstaunlich dabei, wie sehr „The Pale Emperor“ dem Letztwerk von Altmeister Peter Murphy gleicht. Auch hier: hochproduzierter, pathosgeladener Rock, die Betonung auf jeder Silbe und jedem Ton, statt kompromissloser Verwüstung.

Manson, so scheint es, gefällt sich in der Rolle des Theaterschauspielers, der dem Publikum eine Rolle vorstellt, es wunderbar unterhält und dann in die normale Welt nach Hause schickt. Wo man ihm früher die Ernsthaftigkeit abnahm, die eigene Rolle auch in letzter Konsequenz auszuüben, wirkt „The Pale Emperor“ bisweilen inszeniert – und ist dabei großes Kino.

Klaus Porst

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