Rezension

Male Bonding

Endless Now


Highlights: Tame The Sun // Bones
Genre: Pop Punk // Indie Rock // 90s Indie
Sounds Like: Wavves // The Drums // Yuck

VÖ: 02.09.2011

Das verflixte zweite Album. Wie viele Bands haben sich jahrelang im Studio eingebunkert, ein Staatsbudget an kolumbianische Drogenbarone überwiesen, um sich neu zu erfinden – und dadurch ihre gesamte Fanschicht vor den Kopf gestoßen? Male Bonding besitzen natürlich nicht die tragische Größe solcher Fälle wie den Stone Roses oder De La Soul: Das Debut „Nothing Hurts“ von Male Bonding hat hauptsächlich die Kritiker entzückt, während das große Publikum lieber zu Artverwandten wie den Drums oder Wavves griff. Knapp ein Jahr nach dem Debut veröffentlichen Male Bonding nun bereits den Nachfolger „Endless Now“ und wollen es offensichtlich wissen. Ihre Wunderwaffe im Kampf gegen die Fußnotenexistenz? John Agnello – der Mann, der immerhin bereits bei Sonic Youth und Dinosaur Jr. angriffslustige Gitarren dressiert und widerborstige Lärmwogen geglättet hat.

Ob es nun an der Aussage John Arthur Webbs liegt, der (wie andere Zuspätkommer Wavves und Best Coast) Lo-Fi als endgültig überwundene Phase ansieht oder ob die räucherstäbchengeschwängerte Luft des Aufnahmeortes Woodstock, NY, das Trio besänftigt hat: „Endless Now“ klingt erschreckend zahn- und belanglos. Sicher, der Opener „Tame The Sun“ ist ein flotter, beschwingter Pop-Punk-Song, der durchaus Wiedererkennungswert besitzt. Nur klingt bis auf wenige Ausnahmen jedes andere Lied auf dem Album ebenso. 36 Minuten rauschen am Hörer vorbei, ohne dass sich auffallende Harmoniebögen beim Hörer einhaken. Das liegt vor allem am gleichgültigen Gesang und an den zu sehr auf Powerchords vertrauenden Gitarren, die sich zu schüchtern im Hintergrund ducken. Diese Probleme bestanden auch schon beim Vorgänger, nur gab es hier immer wieder Ausnahmen wie die noisigen „T.U.F.F.“ oder „Paradise Vendors“, die den Trott auflockerten. „Endless Now“ hingegen ist völlig gleichgeschaltet.

„Endless Now“ ist ein unausgereifter künstlerischer Schnellschuss und ein weiterer Beweis dafür, dass man musikalischen Erfolg nicht erzwingen kann. Es spricht Bände, dass selbst die völlig unspektakuläre Ballade „The Saddle“ eine willkommene Abwechslung darstellt. „Endless Now“ erreicht schlussendlich nur etwas: Es unterstreicht, wie frisch, abwechslungsreich und spannend das Debut von Male Bonding war. Trotzdem sollte man die Band nicht voreilig abschreiben: Die wundervolle Vorabveröffentlichung „Bones“ zeigt, dass Male Bonding auch anders können. In diesem sorgfältig konstruierten sechsminütigen Song türmt sich Gitarrenschicht auf Gitarrenschicht, schiebt sich der melancholische Refrain immer wieder ein, um schlussendlich in einem wirklich begeisternden Höhepunkt zu gipfeln. „Bones“ rettet „Endless Now“ vor der vollkommenen Gleichgültigkeit. Dieses Lied zeigt, dass eine Weiterentwicklung für Male Bonding durchaus möglich ist. Nur fragt man sich, wieso sich die Band vor dieser Neuausrichtung verschlossen hat. In der Hoffnung, dass der Zeitdruck schuld an diesem Fehltritt ist: Für's nächste Album doch lieber die (notfalls drogeninduzierte) Horizonterweiterung und Selbstfindung wählen.

Yves Weber

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