Rezension

Local Natives

Sunlit Youth


Highlights: Fountain Of Youth // Mother Emanuel // Dark Days // Villainy
Genre: Indierock // Pop // Blues
Sounds Like: Yeasayer // Guards

VÖ: 09.09.2016

In der Kindheit war das Gras grüner, das Leben ein tägliches Abenteuer und die Sommer fast unendlich lang – Sunlit Youth eben. Zumindest in amerikanischen Fernsehserien oder schwedischen Kinderbüchern scheint es so. Bezieht sich das neu erschienene Album der Local Natives also darauf, dass früher alles besser war? Klingt deshalb auf dessen ganzer Länge so viel Wehmut und die Wärme der heimatlichen Sonne der Kalifornier durch? Im Gegenteil, die Botschaft des Neuwerks möchte eigentlich sein, dass die Abenteuer nie vorbei sind. Laut Ryan Hahn wollte die Band ganz unabhängig von ihren vorigen Alben etwas Neues machen und genau darum ginge es auch gleich im Opener „Villainy“ – es ist nie zu spät, etwas zu ändern, immer ist Weiterentwicklung möglich und nötig. Trotz des manchmal wehmütigen Untertons wird hier also eine sehr positive Einstellung transportiert und es lohnt sich, auch bei den Texten hier und da genauer hinzuhören (z.B. "Fountain Of Youth" oder "Masters").

Logisch also, dass die Local Natives auch ihren Musikstil geändert haben, allerdings ohne sich selber untreu zu werden. Fehlende Originalität wegen zu großer Anlehnung an The National oder Grizzly Bear kann man ihnen nicht mehr vorwerfen. Das Album ist poppiger geworden als die Vorgänger, die Band hat sich weiter vom Folk entfernt und auch das zuvor so prägnante Schlagzeugspiel ist etwas in den Hintergrund getreten. Der Gesang, die Klangfarben und allgemein die Tempowechsel deuten nun eher Richtung Yeasayer, wenn man überhaupt noch Referenzen braucht.

Besonders stark bleiben die Local Natives wiederum in der Verspieltheit, mit der sie einfach interessante Melodien schreiben, wie im Refrain des federleichten "Dark Days", in dem Nina Persson von den Cardigans einen Part übernommen hat. Und es ist fast ein Local-Natives-Trademark, unterschiedlichste Musikstile zu integrieren, ohne dass es zu gewollt wirkt. Auf dem Album ist über 80s-Pop ("Villainy") und rockigeren Elementen ("Mother Emanuel") zu Anklängen von R’n’B und Blues ("Jellyfish", "Coins") so viel Verschiedenes vertreten, das sich doch gleichzeitig mühelos zusammenfügt.

Der Band ist damit das dritte wirklich schöne Album gelungen, wie immer handwerklich toll und voller guter Ideen. Es krankt nur daran etwas, dass es ganz ohne rotzigere Momente auskommt, und so insgesamt etwas zu nett ist. Meilenweit entfernt vom kleinen Bruder von Scheiße, aber trotzdem noch nicht der vielzitierte „große Wurf“.

Nicola Krieghoff

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