Rezension

Liz Green

O, Devotion


Highlights: Hey Joe // Luis // Bad Medicine // Gallows
Genre: Blues // Jazz // Folk // Singer-Songwriter
Sounds Like: Laura Gibson // Joanna Newsom // Diane Cluck // Amanda Palmer

VÖ: 27.01.2012

Lange musste man warten auf „O, Devotion!“, das Album dieser Engländerin mit einem Allerweltsnamen, die alles andere als Allerweltsmusik macht. Vor fünf Jahren ging alles los, als Liz Green aus Manchester mit ersten Songs die Bühne der Musikwelt betrat, gerade so, als ob sie einer Zeitkapsel der 20er Jahre entsprungen wäre. Wie sie auftritt, wie sie ihre Musik in Szene setzt – all dies will so überhaupt nicht in unsere Zeit passen und ist wohl auch einer der Gründe, warum einen ihre einfachen Songs so faszinieren. Liz Green ist anders als all die anderen Singer-Songwriterinnen und zieht ihr Konzept mit aller Konsequenz durch. Liz Green schert sich nicht um Moden, sie versucht nicht, jemandem zu gefallen, sie macht einfach genau das, was sie will.

Nach zwei Singles und einer EP ist es nun jedenfalls endlich da, das Debütalbum von Liz Green, und es erfüllt alle Erwartungen, die man an diese Musik nach den großartigen Vorboten stellte. Schnörkellos und direkt trägt sie ihre zwielichtigen, schwarzhumorigen Songs vor. Keine übertriebene Produktion, einfache, aber wirkungsvolle Arrangements, die immer den Nagel auf den Kopf treffen. Vor allem die Blechbläser sind es, die diesen morbiden, schaurig-schönen Songs einen unverkennbaren faszinierenden Klangcharakter geben und einen desöfteren an Tom Waits denken lassen. Und auch was die Texte betrifft, scheint Tom Waits eine recht treffende Referenz zu sein. Immer wieder findet Liz Green mit ihrer markanten, aber wunderschönen Stimme den Weg hin zum Lieblichen, um dann aber mit aller Härte Dinge auszusprechen, die einen schaudern lassen. Es ist der Hang zu den Extremen, der in ihrer Musik einen Spannungszustand erzeugt, der zum Zuhören zwingt. Das stets sehr geordnete Songgerüst muss dabei Liz Greens verbitterten Ausbrüchen standhalten. Nach all den finsteren Geschichten, die sie im Laufe ihres Debütalbums erzählt, treibt sie es mit dem abschließenden „Gallows“ schließlich auf die Spitze, indem sie die dunkelsten Verse des alten Kinderliedes "Oranges And Lemons" in ihren Song integriert: „So here comes a candle to light you to bed, and here comes a chopper to chop off your head", singt sie verbittert.

„O, Devotion!“ ist sicherlich eine Herausforderung, wenn man sich als Hörer sonst eher in anderen musikalischen Gefilden aufhält, und dass Liz Greens beharrliches Festhalten an ihrem altertümlichen Musikstil auch für Irritationen sorgen kann, lässt sich nicht bestreiten. Diese Musik mag polarisieren, aber kalt lassen wird sie keinen. Und wer ihr erst einmal verfallen ist, wird so schnell nicht wieder von ihr loskommen. Sie ist befremdlich, ja, aber eben auch unheimlich fesselnd.

Kilian Braungart

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einige Songs als gratis-Download:
Hey Joe
Gratis-Download zu "Luis":
Luis
Gratis-Download zum "Displacement Song":
Displacement Song

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