Rezension

Linhay

On How To Disappear


Highlights: The Distance Between Two Moons // Water // La Lune // 2412
Genre: Indie-Emo
Sounds Like: American Football // The Appleseed Cast // Mineral

VÖ: 04.09.2020

Den klassischen Gitarrensound des Midwest-Emo reichern Linhay um shoegazige Flächen und Post-Rock-Meditationen an und schaffen einen kohärenten, aber keinesfalls eintönigen Sound, der sich zwar klar an seinen Vorbildern orientiert aber sie nicht nur schnöde imitiert, sondern eine eigene authentische Handschrift trägt. Der Raumklang, die verspielten Gitarren und der sphärische Gesang mit seinen akzentuierten Höhen greifen nahtlos ineinander.

"On How To Dissappear" ist detailverliebt, die fantastische Produktion kehrt auch kleinste Feinheiten in den Vordergrund und gibt dem Album eine breite Klangwelt, die wunderbar mit der ästhetischen und lyrischen Atmosphäre harmoniert. Straighte Gitarren und treibende Drums wie auf "The Distance Between Two Moons" lösen sich in verspielte Melodien auf, komplexe Songstrukturen wie "In Sunshine And In Shadows" brechen nach hinten raus in einen wunderschönen Breakdown-Chorus aus.

Durch die ganze Platte ziehen sich emotionale und ästhetische Naturreferenzen. Das Wasser, der Mond, Bienen und Vögel werden Eckpunkte für die emotionale Welt von "On How To Disappear". Die größte Stärke des Albums liegt in dieser Gegenüberstellung von existenziellen Fragen und nahbarer, greifbarer Symbolik. Jede Beobachtung über den eigenen emotionalen Zustand verpackt "On How To Disappear" in eine Entsprechung der Natur und erinnert unweigerlich an das Appleseed-Cast-Meisterwerk "Mare Vitalis".

Insgesamt ist "On How To Disappear" ein grandioses Debüt, dass sich ohne Frage im Midwest-Emo-Kanon einreihen könnte, ohne dass seine geographische Distanz zum Genre auffallen würde. Die einzigartigen norddeutschen Einflüsse in den Texten und der Ästhetik sind es aber, die das Album als Gesamtkunstwerk exponieren.

Robin Jaede

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Video zu "Water"
Acoustic-Performance von "2412"

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