Rezension

Laura Jane Grace & The Devouring Mothers

Bought To Rot


Highlights: China Beach // Valeria Golino // Reality Bites // The Acid-Test Song
Genre: Punk-Rock // Singer-Songwriter
Sounds Like: Against-Me! // The Gaslight Anthem

VÖ: 09.11.2018

Für ihr Soloalbum „Bought To Rot“ hat die Against-Me!-Frontfrau ihrer Band erstmal eine Pause verordnet. Doch so ganz ohne konnte sie dann doch nicht, denn mit an Bord sind die Devouring Mothers, bestehend aus Against-Me!-Schlagzeuger Atom Willard an den Drums, der mit Zwischenspielen bei Rocket From The Crypt, Social Distortion und The Offspring reichlichen Erfahrung in die Rhythmusfraktion bringt, und Marc Jacob Hudson, Toningeneur ebenfalls bei Against-Me!.

Da überrascht es nicht, dass die 14 Songs auf „Bought To Rot“ sich musikalisch in Schlagdistanz zu vergangenen Against-Me!-Alben bewegen, auch wenn die Platte besonders durch ihre Vielschichtigkeit besticht. Von Opener „China Beach“, einem The-Clash-artigem 80er-Punk-Song mit wütendem Hardcore-Auswuchs im Refrain, über den fast schon ins Kitsch abdriftende Schunkel-Rock-Song „Apocalypse Now (& Later)“ offenbart Laura Jean Grace in jedem der Songs eine weitere Facette.

Vereint werden alle durch den DIY-Punk-Ethos sowie ehrlich-authentischem Songwriting und einer guten Prise Humor mit Zeilen wie „Feels like a dog-shit day in suck-city” in der Hass-Liebes-Bekundung an ihre Wahlheimat Chicago. Inhaltlich geht es um Freundschaft, Monogamie oder Zombie-Apokalypsen – Themen also, mit denen sich Grace so im Lebens- und Touralltag eben beschäftigt. Nicht alles immer ernst gemeint, aber ehrlich vorgetragen. Ein bisschen Pogo, ein bisschen Mitgrölen, ein bisschen Schunkeln, ein bisschen Rotz, ein bisschen Springsteen. Mit über die Hälfte der Songs unter drei Minuten hat die Platte etwas flüchtiges, fängt den Moment ein, was auch die nach Arbeitstiteln klingenden Songnamen wie „The Airplane Song“, „The Friendship Song“, „The Acid-Test Song“, „The Hotel Song“ und „The Apology Song“ unterstreichen.

Die positive Grundstimmung bleibt dabei nicht auf der Strecke und auch der Hang zu großen, hymnischen Punk-Rock-Melodien a la Gaslight Anthem kommt durch. Doch sie kann nach wie vor auch wütend, wie in der nach vorne gehenden Hardcore-Nummer „Valeria Golino“. Zum Abschluss wird es dann aber nochmal versöhnlich im balladesken „The Apology Song“, in der uns Grace mit der Zeile „And you can go wherever the fuck in the world you want“ verabschiedet. Umtriebig sein ist das Gebot der Stunde!

Abhilash Arackal

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Video zu "Apocalypse Now (& Later)"

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