Rezension
Laura Gibson
La Grande
Highlights: La Grande // Skin Warming Skin // The Fire
Genre: Folk // Country // Soul // Blues // Ragtime
Sounds Like: Melaena Cadiz // Liz Green // Emily Loizeau // Alela Diane // Laura Veirs // Marissa Nadler
VÖ: 13.01.2012
Lagerfeuer, Wald und Wolldecke – das Albumcover zu Laura Gibsons neuem Album „La Grande“ mag ein gewöhnliches Folkalbum suggerieren, doch das ist das neue Werk der in Portland ansässigen Musikerin keineswegs. So schwer sich Gibsons unverwechselbare Gesangsweise, die sich irgendwo zwischen Soul, Jazz, Folk und Blues bewegt, einer Musikrichtung zuordnen lässt, so unmöglich erscheint eine Kategorisierung von „La Grande“. Im Gegensatz zum in sich gekehrten, sehr feinsinnig, aber doch recht konventionell instrumentierten Vorgänger „Beasts Of Seasons“ zeigt sich Laura Gibson auf ihrem neuen Album experimentierfreudiger und wagemutiger. Auch inhaltlich ist „La Grande“ nicht so strikt konzipiert wie „Beast Of Seasons“, auf dem sich Gibson mit dem Tod und all seinen Facetten auseinandersetzte. „La Grande“ ist der Name eines kleinen Ortes irgendwo tief in den Wäldern Oregons, an den sich Laura Gibson zurückzieht, wenn ihr das Großstadtleben in Portland zu viel wird und sie in ihrer Kreativität einschränkt – und damit sind auch schon die großen Themen benannt, um die sich „La Grande“ dreht: die Natur sowie die Freiheit und das Gefühl der Zeitlosigkeit, die sie einem bieten kann.
Schon der das Album eröffnende Titeltrack macht deutlich, dass hier einiges anders läuft. Gibson scheut sich nicht davor, sich vermehrt von einer Band bei der Ausgestaltung ihrer Songs unter die Arme greifen zu lassen. Vor allem das Schlagzeug spielt eine entscheidende Rolle auf diesem Album. Es wirkt beinahe so, als ob sich Gibson erst jetzt darüber klar geworden wäre, welch vielseitige Möglichkeiten ein Schlagzeug bieten kann und ihre Vernachlässigung des Instrumentes durch seinen vermehrten Einsatz auf „La Grande“ wieder gut zu machen versucht. „Time Is Not“ beispielsweise lebt von der Spannung zwischen ihrem fragilem Gesang und dem aus dem Hintergrund ertönenden grollenden Schlagzeug, die sich schließlich in einem leichtfüßigen Refrain auflöst. In „The Fire“ wendet sich Gibson dem Blues zu und bekommt Unterstützung von einer Orgel, polternden Drums und einem munter klimpernden Klavier. Doch auch das Pedal Steel im wunderbar eingängigen „Skin Warming Skin“ und der in sich ruhende Bläserchoral von „Crow Swallow“ verdienen Erwähnung. „La Grande“ ist einfach in allen Belangen deutlich vielseitiger als sein Vorgänger.
Doch bei all der Abwechslung, die „La Grande“ zu bieten hat, ist es Laura Gibsons Stimme, die hier alles zusammenhält. Auch wenn sie in „The Rushing Dark“ und „Red Moon“ ihre Stimme verfremdet und ihrem Gesang den nostalgischen Klangcharakter einer alten Schallplattenaufnahme verleiht, bleibt sie doch immer das zentrale Element in ihrer Musik. Wenn sie im das Album abschließenden Song „Feather Lungs“ mit sich selbst im Chor singt und alle Instrumente nach und nach verschwinden, um ihr in schon fast flüsternder Tonlage das letzte Wort zu lassen, bleiben keine Fragen offen. Laura Gibson ist und bleibt eine der talentiertesten Folkmusikerinnen ihrer Generation.
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