Rezension

Laibach

Also Sprach Zarathustra


Highlights: Ein Untergang
Genre: Industrial // Soundtrack
Sounds Like: Lorn // Author and Punisher // Lustmord

VÖ: 14.07.2017

Die slowenischen Avantgarde-Gruppe Laibach spukt seit fast 40 Jahren durch die Musikgeschichte. Mit brachialem Sound und der passenden Fascho-Optik haben sie es geschafft gleichzeitig als links- und rechtsextrem zu gelten. Respekt. Außerdem sind sie wohl die erste Rockband, die in Nord- und Südkorea Konzerte gespielt hat. Dazu gibt es die Dokumentation "Liberation Day". Doppelt Respekt.

Das sogenannte neue Album ist der auf Platte gepresste Soundtrack für ein Theaterstück über Nietzsches Zarathustra. Kein Triple Respekt – es ist nämlich ganz schön lahm.

Mit wenig Text und gefühlten 20 bpm schleicht sich Milan Fras mit seinen Genossen durch die kahlen Landschaften ihrer Synthesizer. Nichts bleibt davon sonderlich im Gedächtnis. Es gleicht Fahrstuhlmusik. Im Fahrstuhl zur Hölle. Etwas creepy, subtil bedeutungsschwanger (Der Mensch ist gegen sich selber das grausamste Tier) und gleichzeitig vollkommen belanglos. Wenn man eine Stunde neben einer lärmenden Baustelle verbringt, hat man mehr davon – zumindest feineres Geballer und nicht industriell angehauchte Beats in Kombination mit esoterischem Sphärengesäusel. Das Klangbild ist unentschieden: Von bemühter Kantigkeit bis mystischem Luftikus wird hier wild zusammengeworfen, was lieber auf Abstand bleiben sollte – oder mit größerer kompositorischer Sorgfalt verarbeitet werden muss. Das gelingt Laibach nicht.

Das ist natürlich schade. Möglicherweise muss man, auch als Laibach, neben Nietzsches gewaltigem Werk eher leisere Töne anschlagen. Und möglicherweise passt die Geräuschansammlung genau zu den Bildern, die Regisseur Matjaž Berger mit dem Anton Podbevšek Theater auf die Bühne bringt... Aber dann soll sie verdammt nochmal genau da bleiben und nicht als Standalone auf den Markt geworfen werden!

Wo ist die abgebrühte Seele des Kollektivs Neue Slowenische Kunst? Wird Laibach langsam alt und langweilig? Geht ihnen der Atem aus? Ist ihnen der Erfolg zu Kopf gestiegen? Und wenn ja, welcher Erfolg?! Bin ich ein Kunstbanause oder ist das Album wirklich eine Niete? Das Album hinterlässt einen mit vielen Fragen zurück. Zum Glück nur mit einer Antwort: Laibach, macht lieber wieder Kunst, die fetzt.

Peter Heidelbach

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