Rezension

Knucklebone Oscar

Back From The Jungle


Highlights: Heart Of The City // Back From The Jungle
Genre: Garagen-Rock'n'Roll // Punk // Rockabilly
Sounds Like: Gluecifer // Chuck Berry

VÖ: 31.10.2008

Gottverdammte kulturimperialistisches Amerika! Als wäre es nicht genug, dass "Coca Cola" das weltweit bekannteste Wort ist und Starbucks und McDonald's seit Jahrzehnten Omas Kaffeestube und Ernas Frittenbude verdrängen - nein, jetzt müssen die Amis auch noch ihren hauseigenen Rockabilly in Länder exportieren, deren Rock 'n Roll eigentlich ganz gut auf eigenen Füßen stehen kann. Finnland zum Beispiel. Heraus kommen dabei wilde Hybride aus Punk, Blues, Garage, Rock 'n Roll und eben Rockabilly wie Knucklebone Oscar.

Und was dazu gleich mitimportiert wurde, ist die gesunde Portion Selbstbewusstsein, die für einen ordentlichen schmalzlockigen Rocker eigentlich sowieso dazugehört. So stellen Knucklebone Oscar bereits in ihrem mit Handclaps, gospelartigen Hintergrundchören und einem irre lässigen Basslauf gespickten Opener klar, dass sich hinter ihnen nicht etwa ein simpler Rockabilly-Prediger, auch kein Rockabilly-Bischoff oder gar Rockabilly-Papst, sondern gleich der "Rockabilly Messiah" verbirgt. Das Problem an dieser Analogie jedoch: Wenn Knucklebone Oscar der Heiland des Rockabilly sind, dürfte diese Religion ihre spannendsten Zeiten - die mit den aufregenden Glaubenskriegen und den spaßigen Inquisitionen - wohl hinter sich haben. So bietet "Back From The Jungle" kaum Gründe, ihretwegen mal spontan ein paar Dutzend Thesen an irgendwelche Kirchentüren zu tackern, sondern eher elf Stücke für's Gesangbuch, die für den unregelmäßigen Rockabilly-Gottesdienst durchaus ausreichen, aber spätestens beim Ausziehen der feinen Kirchenklamotten schon wieder vergessen sind.

Zwar beweist das hyperaktive "Heart Of The City" - ebenfalls vom allmächtigen Bass regiert -, dass Skandinavier schon irgendwie die besten Rocksongs schreiben wo gibt und der munter nach vorne stapfende Abschlusstrack "Back From The Jungle" schafft es gar, über sechs Minuten vor sich hin zu poltern, ohne zu langweilen. Ein großer Rest des Albums funktioniert den musikverarbeitenden Teil des Hirns leider mehr oder weniger zum Windkanal um: "Red Ponytail" fehlt irgendwie der Arsch in der Hose, der hähnchenteilethematisierende Text von "Chicken Lover" hätte schon NOCH etwas blöder sein müssen, um dem Song eventuell zu Trashhitstatus verhelfen zu können und "Two For The Price Of One" würde erheblich mehr fetzen, wenn da nicht andauernd der Songtitel über die Riffs gecroont werden würde. So bleibt "Back From The Jungle" kaum mehr als ordentliche Durchschnittskost für Freunde der oben genannten Genres. Dass Knucklebone Oscar den Spieß umdrehen und ihrerseits die Welt und das kulturimperialistische Amerika erobern - leider eher unwahrscheinlich.

Jan Martens

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