Rezension

Kitty, Daisy & Lewis

Kitty, Daisy & Lewis


Highlights: Polly Put The Kettle On // I Got My Mojo Working // Going Up The Country
Genre: Rock'n'Roll
Sounds Like: Ike Turners Kings of Rhythm // Ann Cole with The Suburbans // Chuck Berry

VÖ: 29.08.2008

Das radikalste Album des Jahres 2008 legten sicherlich Kitty Daisy & Lewis mit ihrem selbst betitelten Werk vor, wobei "radikal" zunächst keinerlei Aussage über die Qualität macht, noch als revolutionäre Neuerung zu verstehen ist. Die drei Geschwister widmen sich auf dem Album mit Haut und Haar den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts. Ihre Kleidung, ihre Frisuren, zumeist Original. Ihre Musik: Rock'n'Roll – aka die Vermischung aus Rockabilly, Rhythm'n'Blues, Country, Swing und Blues. Ihr Klang: analog. Wieso? Sie haben alles mit der ursprünglichen Technik der 50er Jahre aufgenommen. Die Songs? Zwei Eigenkompositionen und acht Coverversionen. Radikal bezeichnet hier also die Ablehnung all der digitalen Spielereien und Möglichkeiten der heutigen Zeit.

Musikalisch ist das Album der drei mehr-oder-weniger-Teenager aus London tatsächlich in wenigen Worten zusammengefasst: Rock'n'Roll, und das gelungen. Das heißt, all die alt gewordenen Fans von Elvis, Chuck Berry und Little Richard, die am liebsten noch immer ihre inzwischen verkratzten Vinylscheiben hören, können hier zugreifen, ohne auf den vertrauten Klang verzichten zu müssen. Sie werden sich wie auf einer Zeitreise fühlen. Über die aufgemotzte moderne Anlage gehört, klingen die zehn Songs aufgrund der analogen Aufnahmetechnik ungewohnt und unvollkommen.

Allerdings schränkt dies, ist der erste Schock überwunden, den Hörgenuss in keiner Weise ein. Die drei Durhams präsentieren den Rock'n'Roll in all seiner rohen, mitreißenden Tanzbarkeit auf originale und begeisternde Art und Weise. Ihre beiden Eigenkompositionen stehen den Coverversionen in nichts nach. Ihre Arrangements präsentieren die Songs – trotz analoger Qualität – nicht neu, aber doch frisch. Die Coverversionen reichen dabei aus den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts bis zu Canned Heats "Going Up The Country" aus dem Jahre 1969, welches das Album eröffnet. Neben letzterem Stück gehören insbesondere "Polly Put The Kettle On" und "I Got My Mojo Working" mit Mundharmonika und Steelguitar sowie "Honolulu Rock-A Roll-A" zu den Höhepunkten des Albums. Diese Coverversionen funktionieren natürlich nicht ohne ironische Brechung, wenn Daisy und Kitty im Heute die durchaus sexistischen Texte vergangener alter Männer vortragen.

Dieses Debüt mag in jeder Hinsicht anachronistisch sein. Es weist jedoch in einer immer hektischeren und unübersichtlicheren Musikwelt zumindest den Blick auf Vergangenes, das dem Neuen in keiner Weise nachsteht.

Oliver Bothe

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