Rezension

Khan Of Finland

Khan Of Finland [digitaler Release]


Highlights: Who Never Rests // Favor After Favor // Bottle Inn
Genre: Electronic Blues
Sounds Like: Gus Gus // Khan // Mark Boombastik // Gonzales // Stereo Total // Tom Waits // Jon Spencer // Tori Amos

VÖ: 03.10.2008

Schon bezüglich des letztjährigen Can „Khan“ Oral Albums sagte Khan, er sei „von der Party über den Sex nun an dem Punkt angekommen“, wo er sich frage, „was kommt danach?“. Die Antwort liefert der (ehemalige) Elektro-Schrauber und Techno-Schmied in leicht gewandeltem Outfit mit den beiden Kumpanen Boris Bergman am Piano und Mark Boombastik als Beat-Boxer nun als Khan Of Finland. Das un- bzw. selbstbetitelte Debüt erscheint digital und ist nur auf den (legendären) Khan-Konzerten auch haptisch erwerbbar. Der türkisch-finnische Kopf des Projekts gibt in seinem neuen Leben nun den elektrischen Blueser. Elektrisch, nicht eklektisch.

Klavier, menschliche Beat-Box und Gesang (sowie Laptop) bilden dabei den Blues durchaus originalgetreu und zurückgelehnt ab, wirken aber doch sehr frisch. Wo der gitarren-getragene Blues doch gelegentlich angestaubt oder im schlimmsten Fall scheintot auf Tonträger gebrannt/-presst wird, strahlen Khan Of Finland über weite Teile des Albums. Die Musik beeindruckt in ihren Elementen und in ihrer Gesamtheit. Unklar bleibt am Ende nur der Sinn der Interpretation von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“.

Vermutlich könnte Khan die gleichen Klangstrukturen allein am Laptop schaffen, doch geben das echte Klavierspiel sowie die immer etwas stumpfe und befremdliche Atmosphäre des menschlichen Beat-Boxens den Songs eine zusätzliche Wärme. Der perkussive Einsatz des Pianos durch Bergman und Mark Boombastiks Atemübungen stellen keine Neuerungen dar, das eine kennt der Jazz, das andere der HipHop seit Jahrzehnten, doch in Verbindung mit Khans leicht überspanntem, zwischen gekünstelt und dilettantisch pendelndem Gesang ergibt das nicht nur Sinn, sondern vermengt sich zu einer überzeugenden, ja gar beeindruckenden, musikalischen Blues-Melange. Wenn man will, geht zwischen „Who Never Rests“ und „Bling Bling“, zwischen „You Like To Party?“ und „Say Good Bye“ der Bezug zu Khans anfänglicher Frage nach dem „Nach der Party“ nie verloren. Ob er eine Antwort findet, ist wenig relevant, allein die raumgreifende Dramaturgie von „You Like To Party“ kommentiert die „Drei Tage Wach“-Mentalität durchaus treffend.

In den besten Momenten – und ab von den „Vier Jahreszeiten“ gibt es hier nur gute Momente – gelingt Khan Of Finland mit diesem Album ein gutes, ein sehr gutes Pop-Album. Melodien und Inszenierung gewinnen und der Hörer fühlt sich wohl. Khan Of Finland präsentieren hier mit ihrem elektronischen Blues eine universelle Musik, die dennoch nur eine Randgruppe anspricht. Pathetisch gesprochen ist dies ein Schaden für die Welt, eigentlich aber doch nur schade.

Oliver Bothe

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