Rezension

Keleketla!

Keleketla!


Highlights: Future Toyi Toyi // International Love Affair // Shepherd Song // Freedom Groove
Genre: Jazz // Afrobeats
Sounds Like: Tony Allen // Shakabka Hutchings // Tabang Tabane

VÖ: 03.07.2020

Wer bis vor kurzem nach Keleketla! suchte, fand den Verweis auf eine interdisziplinäre und unabhängige Bibliothek in Soweto, Südafrika. Doch entgegen dem gängigen Verständnis einer Bibliothek ist Keleketla mehr als ein Ort, der sich Büchern widmet. Es ist ein Ort der Begegnung, ein medienkünstlerisches Projekt, eine Möglichkeit Kunst zu erleben und dabei zu erforschen, welche Bedeutung sie für den Alltag hat, wo sie relevant wird, wie sie wirkt und wo sie endet. Es soll ein Ort sein, wo eine Vielheit von Geschichten im Vordergrund steht und diese der einen dominanten Erzählung entgegengestellt wird.

Wer aktuell nach Keleketla! sucht, findet insbesondere das daraus entstandene Musikprojekt mit dem nun erschienenen selbstbetitelten Album. Die Vielheit der Geschichten zeigt sich auch hier und so lässt sich dieses Album aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Es ist zum einen ein Treffpunkt von großartigen und renommierten Künstler*innen aus Südafrika, Großbritannien, Nigeria, Amerika, West-Papua und weiteren Orten. Es ist zudem eine Zusammenstellung von diversen musikalischen Genres, die sich primär auf jazzige Einflüsse bezieht, aber auch Gqom-Beats, Afrobeat, Rap und Spoken Word aufgreift. Ferner bietet Keleketla! eine Verbindung aus Musik, Aktivismus und Politik, wenn beispielsweise Benny Wenda für die Befreiung der Nation West-Papua von Indonesien eintritt („Papua Merdaka“) oder The Watts Prophets einen leidenschaftlichen Aufruf für die Freiheit präsentieren („Freedom Groove“). Und es ist auch das letzte Projekt Tony Allens, der mit seinen wegweisenden Afrobeat-Drums neben vielen anderen dieses Album bereichert.

Es entstand, als Musiker*innen der Keleketla! Library die Ninja-Tune-Begründer Coldcut nach Südafrika einluden und alle zusammen sich auf ein Experiment einließen: In einem Zeitraum von fünf Tagen wurde zugehört, gejammt, ausprobiert und aufgenommen. Die Aufnahmen dieser Jamsessions bilden die Grundlage für Aufnahmen in London, wo weitere Tonspuren über das bereits Aufgenommene gelegt und weitere Tracks ergänzt wurden. Das Endergebnis möchte einen mitnehmen auf diese Reise zu den unterschiedlichen Begegnungen und Geschichten des Projekts. Keleketla! gibt damit getreu des Namens eine Antwort (wie in „call-and-response“) auf eine Suche nach Möglichkeiten zur Begegnung. So ist es nur passend, die Tracks des Albums nicht detailreich zu beschreiben, sondern die vielen Geschichten für sich sprechen zu lassen.

Lina Niebling

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Keleketla! - Future Toyi Toyi
Keleketla! - The story

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