Rezension

Karies

Alice


Highlights: Holly // Pebbo // 1987
Genre: Post-Punk
Sounds Like: Die Nerven // Messer // Blackmail

VÖ: 12.10.2018

„Im Zweifel lieber links, Pebbo“. Karies setzen mit „Alice“ an, auf der Überholspur Gas zu geben. Dafür verabschiedete man sich über weite Strecken von dem erdrückenden, aber auch charakteristischen Sound, der noch die beiden Vorgängeralben auszeichnete, und präsentiert sich nun mithilfe von Max Rieger (Die Nerven) und Ralv Milberg am Mischpult und Mastering in ungewohnten, aber schicken Kleidern.

An die Stelle der schwindelerregenden Gitarrenwände und dichten Arrangements von „Es Geht Sich Aus“, zwischen denen kein Blatt mehr Platz hatte, treten echoreiche Shoegaze- und Dream-Pop-Ansätze („Holly“, „Moleskin“, „Reden Über Was“) oder gar dick produzierte Beats („1987“, „Projekt Aufgabe“). So klingt eine große Band. „Haverie“ hingegen geht in ungewohnter Weise fast schon anachronistisch den Weg eines klassischen Alternative-Rockers. Exemplarisch für das Stil-ästhetische Schisma der Band steht „Nebenstraßen“, die Single, die in drei Minuten und 30 Sekunden so ziemlich jede Wendung nimmt, Farin-Urlaub-Gedächtnis-Riff inklusive.

Während musikalisch kein Stein auf dem anderen bleibt, strahlen die Herren textlich weiterhin eine gewisse Konstanz aus. Gesanglich bleibt die Reibung zwischen Max Nosek (sonst Bass) und Benjamin Schröter (sonst Gitarre) stets spannend. Beide haben in der Zwischenzeit ihren Gesangsstil akzentuiert. Während Nosek oft den Ruhepol einnimmt, um den sich die mittlerweile breit angelegten musikalischen Entwürfe der Band ranken, überschlägt sich Schröters Stimme in „Pebbo“ fast und kapituliert vor den ausbrechenden Gitarren schließlich mit einem simplen „Wooh!“. Toll. Das neue Gewand der vier Stuttgarter, es wirkt zwar etwas gewöhnlicher als bisher und sitzt an mancher Stelle noch locker, aber da kann man ja reinwachsen mit der Zeit.

Jonatan Biskamp

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