Rezension

Karen Elson

Double Roses


Highlights: Call My Name // Distant Shore // Wolf
Genre: Singer/Songwriter // Folk-Pop
Sounds Like: Tori Amos // Laura Marling // First Aid Kit

VÖ: 07.04.2017

Stars, die am Showhimmel in unterschiedliche Richtungen strahlen, sind nicht immer ein Garant für gute Ergebnisse. Was jedoch bei Oli P. oder Matthias Schweighöfer nicht funktioniert, kann bei anderen richtig gut werden: Bei Karen Elson zum Beispiel. Als Topmodel verdient die Frau ihr Geld, als Schauspielerin und Musikerin geht sie Herzensprojekten nach. Dabei hat sie nicht nur mit dem eingangs erwähnten Vorurteil zu kämpfen, sondern auch noch mit dem berühmten Ex-Mann Jack White, aus dessen Schatten man nicht so leicht heraustritt – vor allem, wenn dieser das Debüt produziert und nun auch Hauptthema des zweiten Albums ist.

Elson verabschiedet sich auf ihrem zweiten Album „Double Roses“ zwar nicht nur von Ehemann Jack White, sondern insgesamt von schwierigen Beziehungen, Tränen und Erinnerungen. Anders aber, als man bei dieser Themenauswahl erwarten würde, ist die neue Platte nicht düster oder besonders leidend. Im Gegenteil: Luftige Melodien, spannende Instrumente, wie eine mittelalterlich anmutende Harfe, die den einfachen Popstücken Komplexität verleihen und liebevolle Arrangements geben sich die Hand. Womöglich liegt der Kontrast zwischen Debüt und Nachfolger auch daran, dass bei Ersterem Jack White an den Reglern saß – und seine bluesdominierte Handschrift auf jeden Song setzte.

Obwohl White bei der Produktion des aktuellen Albums der Britin keinerlei Rolle spielte, tummeln sich hier einige andere A-Lister. Auf „Distant Shore“ etwa ist Laura Marling im Hintergrund zu hören, Patrick Carney von The Black Keys saß für ein paar Songs an den Trommeln und Dhani Harrisson war ebenfalls mit von der Partie. Produzent Jonathan Wilson, der unter anderem auch schon für Conor Obersts Platten verantwortlich war, hat dieses Who is Who der Folk-Pop-Größen abgemischt.

Herausgekommen ist ein vorsichtiges, vielschichtiges Folkpop-Album voller hübscher Anleihen. Dabei inszeniert sich Elson nicht nur inhaltlich ganz maskenlos, auch auf dem Cover und im ersten Video zu „Call Your Name“ sieht man Elsons helles Gesicht ganz ohne Make-Up, ganz verletzlich – und wahnsinnig selbstbewusst. Zu Recht: Reduziert man Karen Elson nur auf ihre Beziehung zu Jack White oder auf ihr Modeldasein, tut man sich damit selber keinen Gefallen, denn „Double Roses“ ist absolut hörenswert.

Silvia Silko

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Offizielles Video zu "Call Your Name"

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