Rezension

Junius

Junius


Highlights: Hiding Knives // From The Isle Of The Blessed // A Word Could Kill Her
Genre: Shoegaze // Postrock
Sounds Like: Dredg // The Twilight Sad // Aereogramme

VÖ: 08.02.2008

Nein, Junius ist keine Band aus Hamburg und Indie-Rock spielen sie auch nicht. Schon erstaunlich, wie schnell man Bandnamen automatisch bestimmten Genres zuordnet, obwohl man noch nicht einen Ton der Musik vernommen hat, was? Also weiterlesen und Ohren aufgesperrt! Junius kommen aus Boston und eigentlich handelt es sich bei ihrem Debütalbum um die Zusammenfassung ihrer beiden bereits veröffentlichen EPs. Diese hat natürlich im Vorfeld kein Schwein gehört, dabei hätten Junius schon längst auf dem Radar des geneigten Musikfetischisten auftauchen müssen. Ihr recht eigenständiger Mix aus Shoegaze und Postrock ist nämlich nicht nur verdammt interessant, sondern fällt in den Interessenbereich gleich mehrerer Genreanhänger.

Tatsächlich könnten Junius die The Twilight Sad 2008 werden. Sphärische Gitarrenteppiche zaubern wunderschöne Melodien und einen außergewöhnlichen Sänger haben sie auch noch. Der besticht zwar nicht durch einen schottischen Hardcoreakzent, aber wer wie die Verschmelzung von Robert Smith (The Cure) und Nick Holmes (Paradise Lost) klingt, braucht sich um seinen Status keine Gedanken machen. Tatsächlich ist es gerade diese Stimme, die dem Album einen seltsamen 80er Touch verleiht und deshalb „Junius“ zu einem außergewöhnlichen Hörerlebnis macht.

Das eröffnende Intro „[Elan Vital]“ ist schon gelungen. Das macht gleich Lust auf mehr und man bekommt auch sogleich mehr. „Hiding Knives“ könnte man auch als den typischen Song des Albums herausgreifen. Die Atmosphäre ist bedrückend, aber nicht hoffnungslos. Nicht nur musikalisch: als ob man den schwelgenden Pathos von Dredg mit dem Schwermut von The Cure belasten würde. Obwohl sämtliche Songs nach ähnlichem Schema funktionieren, schaffen es Junius trotzdem, keine Sekunde langweilig zu werden. Ganz im Gegenteil. Momente wie der verzweifelte Refrain von „From The Isle Of The Blessed“ oder die mächtige Soundwand in „A Word Could Kill Her“ erzeugen diese sanfte Gänsehaut, welche man stets beim Hören von Musik sucht und nicht allzu häufig findet.

Warum Junius nicht ganz die Größe von The Twilight Sad erreichen, liegt zum Großteil an der leider an manchen Stellen ziemlich schwachbrüstigen Produktion. Besonders das Schlagzeug geht nicht selten als klarer Verlierer im Duell gegen die Saiteninstrumente hervor. Vielleicht hätte man die Songs doch noch einmal überarbeiten sollen. Nichtsdestotrotz hinterlässt die Band hier ein dickes Ausrufezeichen. Das nächste Album ist dann DAS Album, auf welchem sich entscheidet, wo die Reise hingehen wird.

Benjamin Köhler

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.