Rezension

Johnossi

Blood Jungle


Highlights: Air Is Free // Hands
Genre: Indie-Rock // Stadion-Rock
Sounds Like: Biffy Clyro // 3 Doors Down // Mando Diao

VÖ: 17.02.2017

Den explosiven Hit, bei dem direkt alle mitgehen, hatten nicht nur Blur mit „Song 2“, sondern auch Johnossi mit „Man Must Dance“. Wie von der Tarantel gestochen gingen alle ab, wenn die Zeilen „A monkey needs to dance so do you“ aus den übersteuerten Boxen der Indie-Diskos auf die Tanzflächen gekeucht wurden. Schön war das gewesen – kann man nicht anders sagen.

Aber anders als bei Bands wie den eingangs erwähnten Blur ging es bei den beiden Schweden John Engelbert und Oskar "Ossi" Bonde mit ihren musikalischen Leistungen langsam, aber stetig bergab. Die zweite Platte nach dem Debüt war noch ähnlich eigenständig und straight wie der Erstling, danach folgte Album für Album die traurige, sich aber immer weiter steigernde Beliebigkeit. Bis auf Weiteres beschreibt das aktuelle Album „Blood Jungle“ den Höhepunkt dieser Entwicklung.

Jedes Johnossi-Album liefert etwas für die breite Allgemeinheit. Auch dieses Mal sind die obligatorischen Hits zu finden. Titel wie „Hands“ oder „Air Is Free“ dürfen für mittelmäßige Radiostationen herhalten und werden – mit Verlaub – das formlose Programm auch nicht besser machen. Diese beiden Songs sind aber auch schon die Speerspitze des Ganzen, alles andere versickert in dem Willen, aus jedem Stück einen Stadionklopper zu machen. Songs, die uninspiriert nach Schema F gestrickt wurden, jagen auf „Blood Jungle“ ihren scheinbaren Idolen wie Biffy Clyro oder den unsäglichen 3 Doors Down hinterher – und kommen dabei längst nicht an ihre Originale heran. Garniert wird das Ganze dann mit Großspurigkeit und einer beinahe unerträglichen Testosteron-Soße. Da hilft es auch nichts, dass sich die beiden Schweden ganz den kritischen Lyrics verschrieben haben und sich gegen Polizeigewalt und Rassismus aussprechen.

Irgendwie tut es einem ja leid, wenn die alten Helden nicht mehr so wirklich zünden. Man möchte Johnossi wünschen, dass sie den Affen, den sie damals für sich haben tanzen lassen, noch mal wiederfinden. Dann sollten sie selbstvergessen und wild eine Runde mit ihm auf der Tanzfläche abhotten. Vielleicht wird es dann ja beim nächsten Mal wieder besser – oder aber uns erwartet der nächste Höhepunkt in Sachen Beliebigkeit.

Silvia Silko

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Video zu "Hands"

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