Rezension

John K. Samson

Provincial


Highlights: Heart Of The Continent // www.ipetitions.com/petition/rivertonrifle/ // Stop Error // Highway 1 West
Genre: Folk // Singer-Songwriter
Sounds Like: The Weakerthans // Maritime // The Hold Steady

VÖ: 27.01.2012

John Kristjan Samson. Dieser wohl liebenswürdigste Sänger, den man so kennt und sich vorstellen kann, war schon immer der feine Unterschied, welcher seine Band, die Weakerthans, von einer sehr guten zu einer Lieblingsband gemacht hat. Dies erreichte er durch seine Texte, wundervoll präzise Beobachtungen, die das Schöne oder Interessante auch im absurdesten Detail erkannten und einfühlsam genau so ausdrückten, dass man genau das verstand, was John wohl meinte. Wie schrieb jemand mal so schön? "Mehr ein guter Freund, der dir Wahrheiten über die kleinen und großen Dinge des Lebens erzählt, als der Sänger einer Band, die du liebst." Einer dieser Menschen, die man duzen würde, ohne sie je gesprochen zu haben.

Auch auf "Provincial", nach zwei EPs ("City Road 85" und "Provincial Road 222") das erste wirkliche Soloalbum des Kanadiers, beweist der charmante Bücherwurm mit der zutraulichen Stimme, dass wohl die wenigsten Musiker so gut mit Sprache umgehen können wie er. Wie der Albumtitel bereits andeutet, geht es viel um Heimat, vier Straßen durch die unendlichen Weiten von Manitoba, Kanada. John reist musikalisch durch das Herz seines Heimatlandes und erzählt einzigartige Geschichten, von denen jeder, der sich schon einmal irgendwie (alleine oder zusammen, warm oder kalt,...) gefühlt hat, berührt wird. In "Ipetitions.com/petition/rivertonrifle" vertont er z.B. eine Petition für die Aufnahme des ehemaligen kanadischen Eishockey-Spielers Reggie Leach in die Hockey Hall Of Fame. Und das klingt dann eben wundervoll. An anderer Stelle funktioniert auch eine kaputte Automatiktür als einfühlsame Metapher für ein Dasein, welches seine Hürden zu überwinden hat ("Just another door that won't open for me anymore" aus "Heart Of The Continent"). Viel mehr möchte man über Texte und Inhalte der Platte gar nicht verraten, jeder sollte seine Schönheit selbst entdecken, die Bilder im Kopf für sich selbst malen. Binnen weniger Sekunden des Openers "Highway 1 East" ist man ohnehin eingetaucht in die Welt der kanadischen Weiten.

Klar klingt das hier im Endeffekt "nur" nach einer ruhigeren, persönlicheren Version der Weakerthans. Aber wenn John K. Samson danach sein sollte, ein Soloalbum zu machen, dann soll er das bitte auch in Zukunft einfach tun. Denn ob das hier jetzt das Debütalbum eines bis dahin unbekannten Songwriters ist oder eben das Solodebüt eines der besten Textschreiber unserer Zeit – das spielt bei all seiner Schönheit keine Rolle. Und mal im Ernst: Denjenigen, der, ohne auch nur irgendwie dabei peinlich zu sein, einen Choral von niemand anderem als Johann Sebastian Bach mit einer Geschichte über einen alltagsfremden Computer-Zocker neu betextet ("Stop Error"), müsste man in einer Welt ohne John K. Samson erst noch erfinden.

Daniel Waldhuber

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