Rezension

John Howard & The Night Mail

John Howard & The Night Mail


Highlights: Before // London's After Work Drinking Culture // Thunder In Vienna
Genre: Pop // Rock // Singer/Songwriter
Sounds Like: The Beatles // Fleetwood Mac // John Howard

VÖ: 21.08.2015

Auf Tour zu sein, bedeutet, viel Zeit zusammen in einem Bus zu verbringen. Gelegenheit, um sich gegenseitig seine musikalischen Favoriten vorzuspielen und die ein oder andere Perle durch die Boxen zu schicken, die manchmal sämtliche Münder offen stehen lässt. Robert Rotifer hatte einen solchen Moment, als sein damaliger Bassist „Kid In A Big World“ von John Howard im CD-Player verschwinden ließ und er sich prompt in dieses kleine Meisterwerk verliebte.

1975 veröffentlicht, floppte diese Debüt-LP von John Howard, da die Welt damals noch nicht bereit war für einen entschieden schwul lebenden Popstar.

Zwei Jahre vergingen, bis Robert Rotifer stetig mehr Kontakt zum im spanischen Exil lebenden Howard herstellen konnte und erste musikalische Ideen entwickelt wurden. Er stellte nach und nach eine Backing-Band, bestehend aus dem Drummer Ian Button und dem Paul-Weller-Bassisten Andy Lewis, zusammen. Ein erster gemeinsamer Gig mit Howard festigte dann die Idee einer gemeinsamen Platte und John Howard & The Night Mail waren aus der Taufe gehoben.

Erste Demoschnipsel wurden anschließend durch das Netz geschossen und setzten ein transkontinentales Ping-Pong-Spiel von Demobändern in Gange. Und trotz der unübersichtlichen Fülle an Material zeichnete sich schließlich ein Album ab, welches die Vier in einigen Live-Sessions einspielten, so wie es die Musiker vor 40 Jahren bereits bei „Kind In An Big World“ getan haben.

Das Resultat sind Pop-Perlen, wie man sie heute lange suchen muss. Kein Schnörkel zu viel und keine überfrachtenden Overdubs haben sich auf diese Aufnahmen geschlichen. Dominiert von Howards Klavierspiel und seiner einnehmenden Stimme wirkt der Sound ein wenig aus der Zeit gefallen, was den Songs aber wunderbar steht. So kommen Stücke wie der Opener „Before“ und das tänzelnde „London's After Work Drinking Culture“ mit einem beschwingten Klavierspiel daher, um mit „In The Light Of Fires Burning“ dann doch die melancholische Seite zu zeigen.

Ein Hoch auf den Zufall, der Robert Rotifer auf die Fährte John Howards brachte und schließlich zu diesem wunderbaren Album führte. Vielleicht bringt es Howard ein bisschen von der musikalischen Anerkennung ein, die schon vor 40 Jahren fällig gewesen wäre.

Sönke Holsten

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