Rezension

Jehnny Beth

To Love Is To Live


Highlights: We Will Sin Together // The French Countryside
Genre: Industrial-Pop
Sounds Like: Nine Inch Nails // PJ Harvey

VÖ: 12.06.2020

"To Love Is To Live" wechselt zwischen Industrial-Soundgewittern und meditativen Klavierteppichen, zwischen unheimlichen Drones und Geräuschkulissen. Eine Platte wie ein Fincher-Film.

Das Album ist geprägt von Repetition. Nicht nur die Refrains wiederholen sich meist mantraartig über schneidende Synthesizer und hämmernde Industrial-Beats, auch greift Beth textlich immer wieder auf vorangegangene Songs zurück. Stilistisch ist das zwar gelungen, thematisch kann sich "To Love Is To Live" dadurch aber nie ganz realisieren. Die „Seltsamkeiten des Lebens“ soll das Album erforschen. Was diese Seltsamkeiten sind, wird auf "To Love Is To Live" aber nie vollends klar. Themenkomplexe wie Sex, Feminismus und politischer Widerstand klingen zwar an, verwirklichen sich aber nie vollständig. Das Gefühl einen Soundtrack zu hören, der durch den zugehörigen Film komplettiert würde, zieht sich durch das gesamte Album.

"To Love Is To Live" ist dann am besten, wenn sich Beth wie auf „We Will Sin Together“ in spärlichen, unheimlichen Instrumentierungen Raum verschafft. Über einem breiten, ineinadergreifenden Soundteppich klingt Beths Stimme präsent, zieht ein chorales Arrangement hinter sich her, das sich auch auf einem PJ-Harvey-Album wiederfinden könnte.

An anderer Stelle verliert sich das Album aber in seinen Ansprüchen. Die Single "Flower" mischt eine verzerrte, unperfekte Stimme über vollkommen sterile Drums. Die Gitarre spielt apathisch neben dem Song her, das Aufspielen der Instrumente im Refrain erstickt im Matsch des Basses. „I’m The Man“ wirkt in seinem Wechsel zwischen Chaos und Meditation gezwungen, als ob nicht Jehnny Beth selbst die Richtung vorgibt, sondern auf Impulse reagiert. Die zahlreichen Elemente auf "To Love Is To Live" fügen sich nicht zu einem Gesamtwerk zusammen, sondern wirken oft, als sollten sie ein ungreifbares drittes ergänzen. Das Album erzeugt keine Bilder im Kopf, sondern fühlt sich an, als müsse der Film zu dem es gehört, erst noch gedreht werden.

Robin Jaede

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Video zu "I'm The Man"
Video zu "Flower"

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